Die nordirische Aktivistengruppe Array Collective erhält den Turner-Preis 2021.

Abermals sorgte die Turner-Preis-Verleihung für eine Sensation. Protest wird Kunst. Die Belfaster Aktivistengruppe Array Collective, die mit ihren Aktionen unermüdlich auf die noch immer angespannte politische Situation Nordirlands hinweist, an die mörderischen Glaubenskriege zwischen Protestanten und Katholiken und die Verwerfungen im Gemeinwesen erinnert, den Brexit ablehnt und gegen die gesetzliche Diskriminierung der Queer-Community und das Abtreibungsverbot kämpft, bekam die in der Kunstwelt überaus bedeutende Ehrung – den Turner-Preis. Die Juroren loben das Kollektiv für seine »hoffnungsvolle und dynamische Kunst, die dringliche soziale und politische Themen mit Humor, Ernsthaftigkeit und Schönheit behandelt.« Das Preisgeld beträgt 25 000 Pfund, die anderen nominierten Kollektive – Black Obsidian Sound System (B.O.S.S.), Cooking Sections, Gentle/Radical und Project Art Works – bekamen je 10 000 Pfund.Schon 2019 war das Preiskomitee in der Londoner Tate von dem seit 1984 geltenden traditionellen Ritual der Einzel-Ehrung abgerückt, denn es bekamen alle vier Nominierten das britische Meritum. Dann kam Corona und 2020, als eine Feier nicht mehr möglich war, entschied die Turner-Preis-Jury, die Summe in zehn Stipendien zu teilen.

Hector Stiftungen und Kunsthalle Mannheim verleihen 2022 Kunstpreis an Anna Uddenberg.

Alle drei Jahre vergibt die Kunsthalle Mannheim zusammen mit den Hector Stiftungen den Hectorpreis an internationale Künstler*innen oder Kollektive. Eine Jury aus sieben Kurator*innen wählte nun die Künstlerin Anna Uddenberg als Preisträgerin des Jahres 2022 aus. Mit der Auszeichnung ist ein Preisgeld in Höhe von 20.000 € verbunden sowie eine Einzelausstellung, die vom 20. Mai 2022 bis zum 08. Januar 2023 in der Kunsthalle Mannheim gezeigt wird. Die Preisverleihung findet im Rahmen der Eröffnung statt. »Ich freue mich über die Entscheidung der Jury, mit Anna Uddenberg eine starke feministische Position auszuwählen, die mit ihrer künstlerischen Arbeit eine aufregende, anspruchsvolle und auch polarisierende Sicht auf Körperlichkeit, Geschlecht (oder Gender) und Warenästhetik präsentiert«, so Sebastian Baden, Kurator für zeitgenössische Kunst an der Kunsthalle Mannheim und Jurymitglied. Anna Uddenberg wurde 1982 in Stockholm geboren und lebt und arbeitet heute in Berlin. Sie begann ihr Kunststudium an der Städelschule in Frankfurt und wechselte dann an die Königliche Akademie der freien Künste in Stockholm, wo sie 2011 ihren Abschluss machte. Ihre Arbeiten wurden international in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt und sind in zahlreichen Sammlungen vertreten, darunter dem Kiasma Museum in Helsinki, der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland in Bonn, dem Stedelijk Museum in Amsterdam und der K11 Foundation in Shanghai.

Der Karin-Hollweg-Preis 2021 geht an Shirin Mohammad für ihre Installation »In der Mitte der Furt«.


Die Arbeitg ist zu sehen im Kellergeschoss der Gesellschaft für Aktuelle Kunst (GAK) im Rahmen der HfK-Meisterschüler:innen-Ausstellung. Geboren 1992 in Teheran, Iran, lebt und arbeitet Shirin Mohammad derzeit in Berlin und Teheran. Dort absolvierte die Künstlerin auch ihren Bachelor in Cinema, ihr Diplom in Bildender Kunst hat sie an der Hochschule für Künste (HfK) Bremen erworben. Ebenfalls an der HfK Bremen begann sie anschließend ihr Meisterschüler:innen-Studium bei Professorin Natascha Sadr Haghighian. Jurybegründung: »Mohammad greift mediale Bilder von Protesten iranischer Landwirte im Frühjahr 2021 auf und schafft ein gegenwärtiges und konsequentes Setting des Unbehagens, das den von Bremen weit entfernten Ort, die soziopolitische Relevanz einer globalen Umweltkrise und Fragen nach Verantwortung miteinander verwebt. Als Reaktion auf Wasserknappheit, Stromausfälle und Preisverfall, schütteten die iranischen Landwirte ihre gemolkene Milch auf die Straße und schlachteten ebendort eine Kuh. Diese Bilder mit hoher Symbolkraft und eindrücklicher Dramatik überführt Mohammad in ein Diorama, das die Bilder formal überzeugend reaktiviert, aber auch die Distanz zu den Ereignissen reflektiert. Ihre Installation befindet sich hinter der verschlossenen Glasfassade zum Projektraum. ,is a matter of crossing and breaking down.' ist fortlaufend auf einem LED-Panel zu lesen, transparente Glasaufkleber auf den Scheiben suggerieren Einschusslöcher und schreiben ein Moment von Krise und Gewalt in die Arbeit ein. Mohammads vielteilige Installation fungiert dabei auch als kinematografisches Bild. Als im besten Sinne zeitgemäß, vermag die Arbeit narrative Verschiebungen und Verknüpfungen zu schaffen und die Frage aufzuwerfen, wer die Schafe sind, deren Wege in der Installation gelenkt werden. Die vielschichtige Reflektion gesellschaftlicher Bedingungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, dokumentarischer Bilder und ihrer künstlerischen Übersetzung hat die Jury überzeugt...« Der Karin Hollweg Preis ist einer der bedeutendsten und höchstdotierten Förderpreise aller Kunsthochschulen in Deutschland. Ermöglicht wird er dank der großzügigen Unterstützung der Karin und Uwe Hollweg Stiftung. Der Preis ist mit 15.000 Euro ausgewiesen, wobei eine Hälfte als Preisgeld direkt an die Preisträger*innen geht, die zweite Hälfte ist für die Realisierung einer Einzelausstellung reserviert. Bisherige Preisträger:innen: Das Dilettantin Produktionsbüro (Anneli Käsmayr und Jenny Kropp zusammen mit Claudia Heidorn, Anna Jandt und Alberta Niemann) (2007), Verena Johanna Müller (2008), Christian Haake (2009), Nicolai Schorr (2010), Noriko Yamamoto (2011), Janis E. Müller (2012), Franziska Keller (2013), Z. Schmidt (2014), Tobias Heine (2015), Claudia Piepenbrock (2016), Felix Dreesen (2017), Zhe Wang (2018), Mattia Bonafini / Luisa Eugeni (2019) und Kate Andrews (2020).