Udo Kittelmann verlässt die Nationalgalerie.

26.08.2019

Der Herr über fünf Berliner Häuser – Alte und Neue Nationalgalerie, Hamburger Bahnhof, Museum Berggruen, Sammlung Scharf-Gerstenberg  – hört nach zwölf Jahren an der Spitze zum 31. Oktober 2020 auf. »Udo Kittelmann hat die Nationalgalerie im nationalen wie internationalen Rahmen zum Global Player gemacht«, sagte Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, in einem Statement.
Bis zur Neubesetzung der Stelle wird Joachim Jäger, sein bisheriger Stellvertreter, kommissarisch den Posten übernehmen.
Verfolgt man seine Stationen, fällt auf, dass er überall markante Spuren hinterlassen hat. Eine Karriere vom Optiker zum Kunstvereinsleiter in Ludwigsburg und Köln, Direktor am Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main. 2001 holte er als Kommissar des Deutschen Pavillons mit Gregor Schneider den Golden Löwen. 2009  begann Kittelmann seine Tätigkeit im Hamburger Bahnhof mit der Ausstellung  »Die Kunst ist super!«. Bereits mit seiner ersten Ausstellung befragte Udo Kittelmann die Sammlung der Nationalgalerie vor dem Hintergrund vermeintlich stabiler Wertesysteme und etablierte Kunst als Seismograph gesellschaftlicher Veränderungen. Udo Kittelmann schreckte nicht vor einer 72 Stunden-Duchamp-Ausstellung zurück und gab jungen Künstlern wie Anne Imhof Raum. Auch bekamen seine Ausstellungen eine stärkere kulturhistorische Einbettung. Sei es »Moderne Zeiten. Die Sammlung. 1900-1945« (2010/2011), sei es »Die Schwarzen Jahre. Geschichten einer Sammlung. 1933-1945« (2015/2016) oder jüngst »Hello World. Revision einer Sammlung« im Hamburger Bahnhof, die thematisierte, wie die Sammlung der Nationalgalerie aussehen würde, wenn sie nicht mit eurozentristischem Blick erworben worden wäre.
Udo Kittelmann hat den Hamburger Bahnhof zu einer wichtigen Schnittstelle zwischen alter und zeitgenössischer Kunst unter dem Dach der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gemacht. Nach der sanierungsbedingten Schließung der Neuen Nationalgalerie im Frühjahr 2015 wurde mit der »Neuen Galerie« im Hamburger Bahnhof eine temporäre Heimstätte für die Kunst der Klassischen Moderne eingerichtet. Allerdings ist inzwischen auch in Berlin nicht alles Gold, was glänzt. In der Stadt an der Spree wird  wie überall nur mit Wasser gekocht. Baustellen über Baustellen. Das Humboldt-Forum im wiedererrichteten Schloss wird nicht am 14. September zum 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt eröffnet werden. Eine andere Baustelle stellt das Museum der Moderne direkt neben der Neuen Nationalgalerie am Kulturforum dar. Auch ist die Zukunft der Rieck-Hallen des Hamburger Bahnhofs ungewiss. Möglicherweise für Udo Kittelmann Gründe, die Nationalgalerie auf eigenen Wunsch zu verlassen und seinen Vertrag nicht zu verlängern

Claudia Piepenbrock im Gerhard-Marcks-Haus.

07.08.2019

Claudia Piepenbrock im Gerhard-Marcks-Haus: »zustand in zonen«. Die 1990 geborene Künstlerin schafft eindrucksvolle skulpturale Konstellationen, Ensembles aus verschiedenen Materialien mit einer großen körperlichen Präsenz, die Leichtigkeit und Schwere, Statik und Dynamik vereinen. Stets zielen ihre Interventionen auf die Veränderung der vorgefundenen Raumsituation und greifen in die Funktion der Räume und die Bewegungsabläufe der Besucher ein. Claudia Piepenbrock definiert und inszeniert Räume im Raum. In ihrer ersten großen Einzelausstellung gestaltet sie gleich sechs Räume im Gerhard-Marcks-Haus in einer Form, die den Besucher in jeweils neue Situationen eintreten lässt. Ihre bevorzugten Materialien sind Schaumstoff und Stahl. Claudia Piepenbrock ist Meisterschülerin und Absolventin der Hochschule für Künste Bremen. Sie erhielt 2016 den renommierten Karin Hollweg Preis, der mit einer Präsentation in einem Ausstellungshaus in der Metropolregion verbunden ist. Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Katalog begleitet. Vom 25. August bis 17. November 2019.  Info: Gerhard-Marcks- Haus, Am Wall 208, 28195 Bremen, Fon 0421/9897520, Fax 0421/98975249. www.marcks.de

Ragnar Kjartansson im Kunstmuseum Stuttgart.

05.08.2019

Dem isländischen Künstler Ragnar Kjartansson (*1976) widmet das Kunstmuseum Stuttgart ab Juli 2019 eine Überblicksausstellung. Kjartansson, der in Reykjavík als Kind zweier Schauspieler aufwuchs, lässt in seinen Werken die Grenzen zwischen bildender Kunst, Literatur, Musik und darstellender Kunst verschwimmen. Die verschiedenen Gattungen verbindet er spielerisch beispielsweise in seinen Performances, für deren Entwicklung er Zeichnungen anfertigt, die auch Grundlage seiner Videoinstallationen und Gemälde sind. Inhaltlich nimmt Kjartansson Bezug auf Künstlerstereotype und Motive der westlichen Erinnerungs- und Wissenskultur. So stellt er in der Videoarbeit »Scenes from Western Culture« idyllische Szenen des Alltags nach, die auf entlarvende Weise vertraut erscheinen, während er in der Gemäldeserie »Architecture and Morality« auf den Konflikt um den israelischen Siedlungsbau anspielt.
Bis zum 20. Oktober 2019.
Info: Kunstmuseum Stuttgart, Kleiner Schlossplatz 1, 70173 Stuttgart, Fon 0711/21619600. www.kunstmuseum-stuttgart.de