Julia Draganovic neue Direktorin der Villa Massimo.

05.03.2019

Die Literatur- und Kunstwissenschaftlerin Julia Draganovic leitet von Juli 2019 die Deutschen Akademie Rom. Draganovic ist seit 2013 Direktorin der Kunsthalle Osnabrück. In Rom ersetzt sie den bisherigen Leiter der Villa Massimo, Joachim Blüher, der nach 17 Jahren aus Altersgründen ausscheidet. Die in Hamburg geborene Draganovic studierte Germanistik, Kunstgeschichte, Philosophie und Romanistik in Münster. Später war sie unter anderem für die Deutsch-Italienische Gesellschaft in Thüringen aktiv und organi-sierte für das Thüringer Europaministerium die Präsentation Weimars als Kulturstadt Europas 1999 in Brüssel. Als künstlerische Leiterin fungierte sie am Chelsea Art Museums in New York (2005-2007) und im Palazzo delle Arti Neapel (2007-2009). In der Villa Massimo können Stipendiaten in zehn Ateliers kostenfrei wohnen und arbeiten. Anfangs wurde Künstlern bis 32 Jahren dieser »Rom-Preis« für jeweils neun Monate zuerkannt, inzwischen dauern die Studienaufenthalte von Musikern, Dichtern, Bildenden Künstlern und Architekten jeweils zehn Monate. Bundes-Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die aus ihrem Haushalt die Villa Massimo mit jährlich 2,3 Millionen Euro fördert, begründete die Entscheidung in einer Pressemitteilung so: »Mit Julia Draganovic gewinnen wir eine hoch qualifizierte und mit der zeitgenössischen Kunstszene vertraute Kulturmanagerin für die Leitung der renommiertesten deutschen Künstlerresidenz im Ausland. Während ihres jahrelangen Wirkens in Italien hat sie bewiesen, dass ihr die deutsch-italienischen Kulturbeziehungen ein Herzensanliegen sind. Sie bringt damit beste Voraussetzungen mit, um den Stipen-diatinnen und Stipendiaten der Villa Massimo in Rom und der Casa Baldi in Olevano Romano eine kompetente Ansprechpartnerin zu sein. Ich bin überzeugt, dass Julia Draganovic das hohe Renommee der Deutschen Akademie Rom sichern und als neue Direktorin eigene Akzente setzen wird.«



Indonesisches Kollektiv Ruangrupa übernimmt Documenta-Leitung.

26.02.2019

Die Findungskommission der documenta 15 (Ute Meta Bauer, Gründungsdirektorin des NTU Centre for Contemporary Art Singapore, Charles Esche, Direktor Van Abbemuseum Eindhoven, Niederlande; Amar Kanwar, Künstler, Dokumentarfilmer, Neu-Delhi, Indien; Frances Morris, Direktorin Tate Modern London, Großbritannien; Gabi Ngcobo, Kuratorin 10. Berlin Biennale 2018, Deutschland (Südafrika); Elvira Dyangani Ose, Direktorin The Showroom London, England; Philippe Pirotte, Rektor Staatliche Hochschule für Bildende Künste – Städelschule Frankfurt/M., Deutschland (Belgien); Jochen Volz Direktor Pinacoteca do Estado de São Paulo, Brasilien) hat entschieden: Das Künstler-Kollektiv Ruangrupa aus dem indonesischen Jakarta wird die kommende Kunstschau im Jahr 2022 kuratieren. Ruangrupa kann laut Documenta aus dem Indonesischen mit »Raum der Kunst« oder auch »Raum-Form« übersetzt werden. Farid Rakun und Ade Darmawan, die Ruangrupa in Kassel vertraten, formulieren ihren dezidiert partizipativen kuratorischen Anspruch für die Weltkunstausstellung 2022: »Wir wollen eine global ausgerichtete, kooperative und interdisziplinäre Kunst- und Kulturplattform schaffen, die über die 100 Tage der Documenta 15 hinaus wirksam bleibt... Unser kuratorischer Ansatz beschreibt das Kollektiv als ein »anders geartetes, gemeinschaftlich ausgerichtetes Modell der Ressourcen­nutzung – ökonomisch, aber auch im Hinblick auf Ideen, Wissen, Programme und Innovationen. Wenn die Documenta 1955 antrat, um Wunden des Krieges zu heilen, warum sollten wir nicht versuchen, mit der Documenta 15 das Augenmerk auf heutige Verletzungen zu richten. Insbesondere solche, die ihren Ausgang im Kolonialismus, im Kapitalismus oder in patriarchalen Strukturen haben. Diesen möchten wir partnerschaftliche Modelle gegenüberstellen, die eine andere Sicht auf die Welt ermöglichen.« Das Kollektiv gründete sich im Jahr 2000 in Jakarta, Indonesien. ruangrupa betreibt einen Kunstraum in South Jakarta und realisiert Ausstellungen, Festivals, Publikationen und Rundfunkformate. Das Kollektiv war an vielen Kooperations- und Ausstellungsprojekten beteiligt, darunter an Ausstellungen wie der Gwangju Biennale (2002 und 2018), der Istanbul Biennale (2005), der Asia Pacific Triennial of Contemporary Art (Brisbane, 2012), der Singapore Biennale (2011), der São Paulo Biennale (2014), der Aichi Triennale (Nagoya, 2016) und Cosmopolis im Centre Pompidou (Paris, 2017). Im Jahr 2016 kuratierte ruangrupa TRANSaction: Sonsbeek 2016 in Arnheim, Niederlande.
 

Der Roland-Preis für Kunst im öffentlichen Raum geht 2018 an Michaela Melián.

15.02.2019

Die Preisver-leihung findet  im Kaminsaal des Bremer Rathauses am Montag, den 25. Februar 2019 um 17.00 Uhr statt. Im Anschluss daran hält die Künstlerin Michaela Melián um 19.00 Uhr in der Bremer Kunsthalle einen Vortrag.

Michaela Melián, 1956 geboren, lebt in Berg bei München und in Hamburg, wo sie eine Professur für zeitbezogene Medien an der Hochschule der Bildenden Künste innehat. Sie ist bildende Künstlerin, Hörspielmacherin, Solo-Musikerin und Mitglied der Gruppe FSK. Aus der Begründung der Jury: »Michaela Melián hat als eine der ersten den virtuellen Raum als Ort für künstlerische Inter-ventionen besetzt. Neben Zeichnungen, mit der Nähmaschine genähten Bildern, Installationen sowie Musikstücken ist eines ihrer Hauptarbeitsfelder der öffentliche Raum. Melián arbeitet zu Körper- und Geschlechterverhältnissen, Erinnerungspolitik und deutscher Geschichte. In ihrem formal und medial breit angelegten Werk setzt sich Melián immer wieder mit gesellschaftspolitisch relevanten Fragen auseinander. Bei ihren Projekten im Stadtraum nutzt sie zahlreiche Medien: neben fast schon klassischen Formen wie Installationen, Aktionen und Wandbild sind dies das Hörspiel, die Lesung historischer Texte sowie Sound im Radio und Internet. Mit dieser Vielfalt an Medien erweitert sie den realen öffentliche Raum um den virtuellen Raum. Insbesondere mit ihren individuell über das Mobiltelefon im Münchner Stadtraum akustisch abrufbaren Memory Loops (kurzen biografischen, nachgesprochenen Interviews) verbindet sie reale Orte mit ihrer Historie, persönliche Schicksale mit einer Rezeption am Ort des Geschehens. Migration, Judenverfolgung und die NS-Gewaltherrschaft sind wichtige Themen in Meliáns Oeuvre. Ausgehend von intensiven historischen Recherchen, der Sichtung, Bearbeitung und Transformation von Zeugnissen und Informationen schafft die Künstlerin, innovative Formen und Formate zu diesen wichtigen gesellschaftlichen Themen und entwickelt dabei eine neue Gedenkkultur.«