Kunstmuseum Stuttgart ist Museum des Jahres 2021.

Deutschlands Kunstkritiker haben das Kunstmuseum Stuttgart als Museum des Jahres 2021 ausgezeichnet. Vertreter der deutschen Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbands AICA würdigten den »besonders weit gespannten Blick« des Hauses auf die Kunstwelt. Sowohl die unmittelbare Gegenwartskunst als auch die klassische Moderne kämen mit Werken von Otto Dix oder Willi Baumeister zu ihrem Recht. »Das globale Kunstgeschehen hat in dem Haus am Stuttgarter Schlossplatz ebenso eine Bühne wie das künstlerische Schaffen in der Region«, teilten die Kritikerinnen und Kritiker mit. Das Stuttgarter Kunstmuseum wird seit 2010 von Ulrike Groos geleitet. Es hat sich laut Urteil der AICA-Kritiker einen Namen gemacht mit Ausstellungen, »die gekonnt die herkömmlichen Grenzen der Kunstsparten überwanden«. Die Jury würdigte unter anderem auch die 2005 gestartete Ausstellungsserie »Frischzelle«. In jährlichem Wechsel sei diese »ein gelungenes und wichtiges Experimentierfeld für junge Künstlerinnen und Künstler aus Baden-Württemberg«. In der deutschen AICA-Sektion sind mehr als 200 Autor*innen, Journalist*innen und Publizist*innen vertreten. International wirken in dem Verband rund 5.000 Kritiker*innen mit.

Der 1942 geborene Dan Graham ist am 19. Februar 2022 verstorben.

Dan Graham war ein einflussreicher Konzeptkünstler, Kunstkritiker und Verfasser theoretischer Schriften. »Homes for America« (1967) ist sein wichtigstes Frühwerk, eine Fotoserie von Reihenhäusern, die er mit eigenen architekturkritischen Texten versah. Dan Graham erforscht in seinen Arbeiten Architektur und deren Struktur, die grundlegend für die Bildung sozialer und öffentlicher Räume ist. Insbesondere ist er seit den 1980er-Jahren  durch seine verspiegelten Pavillons bekannt geworden, die zwischen  Architektur und Skulptur changieren und als begehbare Objekte stets ihre Umgebung einbeziehen. Dan Graham hat die Spiegelung und das Vexierbild zu höchster Vollendung geführt. Seine Pavillons kann man betreten und durchlaufen, von innen wie von außen betrachten. Mit dem Café Bravo im Hof der Berliner Kunst-Werke überschritt Graham die Trennlinie zwischen reiner und angewandter Kunst. Bekannt sind vor allem Grahams Pavillon-Gebilde aus Stahl und Spiegelglas, in denen die Besucher unmittelbar in Beziehung und Auseinandersetzung zu sich selbst, ihrem Gegenüber und räumlichen Kontext treten. Dan Graham stellt mit seinem Werk früh die Autonomie des künstlerischen Werks in Frage und reflektiert die Rolle der Populärkultur.

Fujiko Nakaya im Haus der Kunst.

Inspiriert vom in den 1970er-Jahren aufkeimenden ökologischen Bewusstsein arbeitet die 1933 geborene Künstlerin seit jeher und bis heute mit Luft und Wasser. Die Ausstellung im Haus der Kunst ist die erste Retrospektive der Künstlerin und Bildhauerin  außerhalb Japans. Die Nebelskulpturen von Fujiko Nakaya bestehen vollständig aus reinem Wasser und fordern traditionelle Vorstellungen von Skulptur heraus, denn je nach Temperatur, Wind und Atmosphäre verändern sie sich in jedem Augenblick. Nakayas besonderer Zugang zu Themen wie Natur, Wissenschaft und Zufall hat das japanische Künstler*innenkollektiv Dumb Type und den Musiker Carsten Nicolai auf unterschiedlichste Weise entscheidend geprägt. Nakayas Interesse am Prozesshaften wurde wiederum von der wissenschaftlichen Praxis und Ethik ihres Vaters beeinflusst. Der Schneephysiker und Filmproduzent Ukichiro Nakaya dokumentierte mit der Kamera die Einzigartigkeit und Flüchtigkeit von Schneekristallen. Vom 8. April bis 31. Juli 2022. Info: Haus der Kunst, Prinzregentenstraße 1, 80538 München, Fon 089/21127-113, Fax 089/21127-157. www.hausderkunst.de