Kunsthalle Wien: »Peter Friedl. Teatro«.

22.03.2019

Die Werke des 1960 geborenen Künstlers verstehen sich als exemplarische Vorschläge und Lösungen für ästhetische Probleme hinsichtlich unseres politischen und historischen Bewusstseins. Die Ausstellung konzentriert sich auf eine Reihe wiederkehrender Themen in Friedls Œuvre: Modell, Sprache, Geschichte, Übersetzung, Theatralik. Herzstück der Ausstellung ist die im Rahmen der documenta 14 erstmals präsentierte Filminstallation Report (2016). Ausgehend von Kafkas »Ein Bericht für eine Akademie« entfaltet Friedl eine ebenso komplexe wie kinematografisch opulente Reflexion über das Wechselspiel von Identität und Sprache, An-passung und Autonomie. Werke wie »The Dramatist (Black Hamlet, Crazy Henry, Giulia, Toussaint)« (2013) und »Teatro Popular« (2016–2017) sind weitere Beispiele für Friedls Auseinandersetzung mit dem Topos Theatralität, den sie unter dem Begriff des Modells in den Blick nehmen. An historisch überlieferten Formen des Marionetten- und Puppentheaters orientiert, sind sie als Modellanordnungen für mögliche Gegen-Erzählungen zur Moderne lesbar. »Teatro« versammelt aber auch ältere Arbeiten, die sich auf unterschiedliche Weise der Problematisierung von Gerechtigkeitsfiktionen widmen. Kuratiert von Anne Faucheret und Vanessa Joan Müller. Bis zum 9. Juni 2019. Die Ausstellung wird vom 25/10 2019 – 1/03 2020 im Carré d’Art, Musée d’art contemporain de Nîmes zu sehen sein. Info: Kunsthalle Wien Museumsquartier, Museumsplatz 1, 1070 Wien. Fon 0043/1/52189-0

»GLOBAL NATIONAL« im Berliner Haus am Lützowplatz.

22.03.2019

Das Wiederaufleben von Rechtsextremismus in Europa und in anderen Teilen der Welt sowie die sich daraus ergebenden Gefahren stehen im Fokus der von Raimar Stange kuratierten Ausstellung »GLOBAL NATIONAL- Kunst zum Rechtspopulismus«. Dreizehn KünstlerInnen aus acht verschiedenen Nationen beleuchten Ursachen, Ausprägungen und Auswirkungen dieser verheerenden Entwicklung. Die Ausstellung möchte ein Zeichen setzen für eine tatsächlich offene und multikulturelle Gesellschaft,  möchte warnen vor dem aktuellen Rechtsruck und sensibilisieren für rassistische Denkweisen und Ursachen des Rechtspopulismus ästhetisch analysieren. »GLOBAL NATIONAL« versammelt KünstlerInnen, deren Mittel der Auseinandersetzung von Malerei und Skulptur über Collage bis hin zur Konzeptkunst reichen. Ulf Aminde, Candice Breitz, Peter Friedl, Nadira Husain, Bethan Huws, Michaela Meise, Olaf Metzel, Marina Naprushkina. Dan Perjovschi, Oliver Ressler / Martin Krenn, Martha Rosler und Christine Würmell nehmen teil. Die Ausstellung bietet ein umfangreiches Begleitprogramm u. a. mit dem Soziologen Harald Welzer, der Kuratorin Övül Ö. Durmusoglu und dem Ausstellungsmacher Bonaventure Soh Bejeng Ndikung. Es erscheint ein Katalog, der am 12. April 2019 in der Ausstellung mit einem Gespräch zwischen Raimar Stange und Karen van den Berg vorgestellt wird. Bis zum 26. Mai 2019. Info: Haus am Lützowplatz Förderkreis Kulturzentrum Berlin e.V., 10785 Berlin, Lützowplatz 9, Fon 030/2613805, Fax 030/2644713. www.hal-berlin.de

Der Kurator Okwui Enwezor starb nach langer schwerer Krankheit im Alter von 55 Jahren.

15.03.2019

Der 1963 im nigerianischen Calabar geborene Enwezor war unter anderem künstlerischer Leiter der Documenta 11 2002 in Kassel, kuratierte 2015 die Hauptausstellung der 56. Venedig-Biennale und war von 2011 bis Juni 2018 Leiter des Haus der Kunst in München. Sein Amt im Haus der Kunst legte er 2018 nieder, aus gesundheitlichen Gründen, wie es damals hieß. In der vergangenen Woche eröffnete eine letzte von ihm kuratierte Ausstellung im Haus der Kunst: »El Anatsui. Triumphant Scale«. 1982 kam Enwezor in die USA, ein Jahr später ließ er sich in New York nieder. Am Jersey City State College studierte er Literatur- und Politikwissen-schaften, bevor er sich der Kunst zuwandte. 1993 gründete er die Zeitschrift »Nka: Journal of Contemporary Art«, die zu einem entscheidenden Forum für afroamerikanische Kunst avancierte. Als Kurator von kolonialismuskritischen Ausstellungen wie »African Photographers« oder »The Short Century« hatte sich Enwezor international einen Namen gemacht. 1998 wurde er als erster Nicht-Europäer zum künstlerischen Leiter der Documenta 11 berufen. Als Kurator von Documenta und Venedig-Biennale öffnete Okwui Enwezor die Kunstwelt für postkoloniale Perspektiven. Enwezor begann früh den eurozentrischen Blick aufzubrechen und eine globale Perspektive auf die Kunst zu entwickeln. Insbesondere die Documenta 11 wurde als Durchbruch für neue, dezentrale Perspektiven auf moderne Kunst gefeiert. Die Öffnung zu anderen Kulturen, die globale Betrachtung der Kunst, die Hinterfragung des westlichen Wertekanons rückt seitdem mehr und mehr in den Fokus.