Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen 2020.


Die Jury (Yilmaz Dziewior Direktor des Museum Ludwig, Köln, Stephanie Rosenthal Direktorin des Gropius Bau, Berlin, Christoph Ruckhäberle Künstler und Professor für Malerei/Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig Susanne Titz Direktorin des Museum Abteiberg, Mönchengladbach) hat entschieden: Den mit 30.000 Euro dotierten Kunstpreis der Böttcherstraße erhält die Künstlerin Ulrike Müller (vorgeschlagen von Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle Bremen).  Die 1971 in Brixlegg/Österreich geborene Künstlerin , lebt in New York City/USA. Die Begründung der Jury: »Ulrike Müller überzeugt durch Abstraktion. Ihr Werk ist eine der präzisesten Positionen im Feld der feministischen und queeren Malereidiskurse der Gegenwart. Widerstand und Eigenleben entstehen unter anderem im Verschwimmen von Grenzen. In ihren Web- und Emaille-Arbeiten verschmelzen die Kanten von Materialien und Farben. Ulrike Müller verwendet handwerkliche Verfahren, mit denen die malerische Form in eine distanzierte Präsenz gelangt.«. Seit über sechzig Jahren wird der Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen verliehen. Er zählt zu den anerkanntesten Kunstpreisen, die im Bereich der zeitgenössischen Kunst in Deutschland vergeben werden. Im Zweijahresrhythmus schlagen zehn angesehene Kurator*innen unabhängig voneinander je eine*n Künstler*in vor, die/ der aus dem deutschsprachigen Raum stammt oder in ihm lebt. In diesem Jahr wurden diese Künstler*innen nominiert: Bani Abidi, Nevin Aladag, Jesse Darling, Toulu Hassani, Janine Jembere, Anne Duk Hee Jordan, Ulrike Müller, Henrike Naumann, Raphaela Vogel und Stefan Vogel. Eine unabhängige Jury bestimmt dann die/den Gewinner*in der Wettbewerbsausstellung. Zu den Preisträger*innen der letzten Jahre zählten  u. a. Arne Schmitt (2018), Emeka Ogboh (2016), Nina Beier (2014), Daniel Knorr (2012), Thea Djordjadze (2009), Ulla von Brandenburg (2007), Clemens von Wedemeyer (2005), Tino Sehgal (2003), Olafur Eliasson (1997) und Wolfgang Tillmans (1995). Getragen wird der Kunstpreis seit 1985 von einem Stifterkreis, der sich aus engagierten Mitgliedern des Kunstvereins in Bremen zusammensetzt. Der Stifterkreis ermöglicht zudem den Ankauf eines Werks. Die Werke der Preisträgerin Ulrike Müller sowie der weiteren neun nominierten Künstler*innen sind noch bis zum 1. November in der Kunsthalle zu sehen. Die öffentliche Preisverleihung mit der Künstlerin ist für den 27. Oktober 2020 geplant.

Marcel Odenbach erhält den Wolfgang-Hahn-Preis 2021.

Marcel Odenbach erhält den Wolfgang-Hahn-Preis 2021 der Gesellschaft für Moderne Kunst am Kölner Museum Ludwig. »Fragen der Identität im Kontext von Gender, Klasse und Ethnie sind in den Zeichnungen, Collagen, Videos und Installationen von Marcel Odenbach seit Jahrzehnten dezidiert Thema«, schreibt Susanne Pfeffer, Direktorin des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt am Main und Gastjurorin des Wolfgang-Hahn-Preisträger 2021. »Nicht allein das Eigene, sondern das Andere ist stets der Ausgangs-punkt. Experimentell in der Form sowie theoretisch fundiert schafft Marcel Odenbach Werke, die historische Verbindungslinien zwischen Kolonialismus und Globalisierung wie auch die Gewalt des Normativen und der Repräsentation offenlegen und spürbar machen.« Die Preisverleihung ist am 16. November 2021, d. h.  am Vorabend des geplanten Termins für die Art Cologne 2021. Das Preisgeld in Höhe von maximal 100.000 Euro fließt in den Erwerb eines Werks oder einer Werkgruppe des Künstlers oder der Künstlerin zugunsten der Sammlung des Museum Ludwig. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden außerdem mit einer Ausstellung im Museum sowie der Herausgabe einer begleitenden Publikation gewürdigt. In diesem Falle werden von Marcel Odenbach die »Schnittvorlagen« für seine Videoarbeiten angekauft und erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Die Verleihung des Wolfgang-Hahn-Preises an die diesjährige Preisträgerin Betye Saar wird am 23. März 2021 nachgeholt. Dann präsentiert das Museum Ludwig auch die Neuerwerbung »The Divine Face«.

Käthe-Kollwitz-Preis 2021 der Akademie der Künste geht an Maria Eichhorn.

Maria Eichhorn erhält den mit 12.000 Euro dotierten Käthe-Kollwitz-Preis 2021. Die Jury (Richard Deacon, Bjørn Melhus, Adrian Piper) hebt hervor, dass die 1962 geborene Künstlerin »seit nunmehr 30 Jahren mit ihren Arbeiten und Forschungsprojekten kontinuierlich das Betriebssystem für die Künste an der Schnittstelle zu Geschichte, Politik und Gesellschaft kritisch« hinterfragt. Diese Form eines politischen Agierens gleiche dem einer Aktivistin, die vor allem einer jüngeren Künstler*innengeneration als Vorbild dient, so die Jury. Ihr Werk widmet Eichhorn der künstlerischen Verwandlung und wirksamen Offenlegung von Kategorien wie Kapital, Eigentum, Restitution, die sie dem Publikum in äußert konzentrierten und reduzierten Präsentationen vorstellt. Maria Eichhorn beschäftigt sich immer wieder mit ungeklärten Besitzverhältnissen von Kunstwerken, Immobilien, Grundstücken, Bibliotheken, etc., die in der NS-Zeit jüdischen Eigentümerinnen und Eigentümern in Deutschland und in den damals besetzten Ländern entwendet wurden. Der wiederentdeckte Gurlitt-Nachlass bot Eichhorn Anknüpfungspunkte für ein weiteres Projekt: Als künstlerischen Beitrag für die documenta 14 im Jahr 2017 gründete sie das interdisziplinär ausgerichtete Rose Valland Institut (www.rosevallandinstitut.org) mit dem konkreten Ziel, über Nachwirkungen der Enteignung der jüdischen Bevölkerung Europas durch die Nationalsozialisten zu forschen. Der Käthe-Kollwitz-Preis wird seit 1960 jährlich an eine bildende Künstlerin oder einen bildenden Künstler vergeben. Preisträgerinnen und Preisträger der letzten Jahre waren u. a. Timm Ulrichs (2020), Hito Steyerl (2019), Adrian Piper (2018) und Katharina Sieverding (2017).