Die deutsche Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbandes AICA hat entschieden.

Die rund 200 in der deutschen AICA-Sektion zusammengeschlossenen Autoren, Kritiker, Journalisten und Publizisten vergeben jedes Jahr ihre drei undotierten Auszeichnungen an Museen und für einzelne besonders gelungene Kunstausstellungen. Das Bauhaus Museum in Dessau ist »Museum des Jahres«. Das 2019 eröffnete Haus überzeuge damit, einerseits die Erinnerung an das Bauhaus als bedeutendste Schule für Gestaltung im 20. Jahrhundert wachzuhalten, andererseits aber auch die Idee des Bauhauses eindrucksvoll in die Gegenwart zu übertragen. Mit der Auszeichnung »Ausstellung des Jahres« haben die Kunstkritiker Deutschlands die Schau »Artists and Agents – Performancekunst und Geheimdienste« im Hartware MedienKunstVerein in Dortmund prämiert. Den Titel »Besondere Ausstellung« erhielt »Bonzo’s Dream«, eine Schau der in Guatemala lebenden Malerin Vivian Suter im Brücke-Museum Berlin.

Wolfgang-Hahn-Preis 2020 geht an Betye Saar.

Am 24. März 2021 wird die 1926 geborene amerikanische Künstlerin mit dem 26. Wolfgang-Hahn-Preis der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig ausgezeichnet, die die Assemblage »The Divine Face« für die Sammlung des Museum Ludwig erworben hat. Das wird gemeinsam mit einigen Papierarbeiten der Künstlerin in der Sammlung des Museums präsentiert. Gastjuror Christophe Cherix über Betye Saar: »In der US-amerikanischen Kunst nimmt Betye Saars Werk eine Schlüsselposition ein. Ihre Assemblagen aus den 1960ern und frühen 1970ern verknüpfen Fragen von Ethnie, Politik und übernatürlichen Glaubenssystemen mit ihrer persönlichen Geschichte. Saar, die in einer von Rassentrennung geprägten Gesellschaft aufwuchs, hat über all die Jahre an ihrem Glauben festgehalten, dass Kunst unsere finstersten Momente und tiefsten Ängste überwinden kann. Heute schöpft eine neue Generation von Künstler*innen aus ihrem überwältigenden Werk und macht deutlich, wie Saar den Lauf der US-amerikanischen Kunst verändert hat. Mit dem Wolfgang-Hahn-Preis 2020 werden Saars außerordentliche Leistungen und ihr Einfluss gewürdigt. Zugleich wird die Notwendigkeit anerkannt, dass die Geschichtsschreibung der Kunst der letzten Jahrzehnte überdacht werden muss.«  Vom 25. März bis 27. Juni 2021. Info: Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln, Fon 0221/221-26165. www.museum-ludwig.de

 

Der Goslarer Kaiserring 2021 geht an die 1948 geborene Adrian Piper.

Die amerikanische Konzeptkünstlerin gilt als einflussreiche Konzeptkünstlerin und Philosophin, die seit Mitte der 1960er Jahre die amerikanische Konzeptkunst maßgeblich mitprägte. In ihrer Begründung schreibt die Kaiserring-Jury: »Konsequent wie frei in Zeichnung, Malerei, Skulptur, Film und Performances entblößt Adrian Piper die harschen Strukturen des Normativen und führt nonchalant den Betrachtenden vor Augen, dass es immer auch auf uns selbst, unser Denken und unser Handeln ankommt.« Wenn die Pandemie es zulässt, sollen Adrian Piper sowie der Kaiserringpreisträger aus dem Jahr 2020, Hans Haacke, den Kaiserring in einer Doppelverleihung im Herbst entgegennehmen. Seit 2005 lebt und arbeitet Andrian Piper in Berlin, wo sie die APRA (Adrian Piper Research Archive) Foundation Berlin betreibt. Ihre Medieninstallation und Gruppenperformance »The Probable Trust Registry« (2013) brachte ihr auf der 56. Biennale von Venedig 2015 den Goldenen Löwen als beste Künstlerin ein. Der Goslarer Kaiserring wird seit 1975 verliehen. In den letzten Jahren erhielten unter anderem Andreas Gursky, Bridget Riley, David Lynch, Olafur Eliasson, Wolfgang Tillmans und Barbara Kruger den Preis. Info: www.moenchehaus.de, www.goslar.de