Indonesisches Kollektiv Ruangrupa übernimmt Documenta-Leitung.

26.02.2019

Die Findungskommission der documenta 15 (Ute Meta Bauer, Gründungsdirektorin des NTU Centre for Contemporary Art Singapore, Charles Esche, Direktor Van Abbemuseum Eindhoven, Niederlande; Amar Kanwar, Künstler, Dokumentarfilmer, Neu-Delhi, Indien; Frances Morris, Direktorin Tate Modern London, Großbritannien; Gabi Ngcobo, Kuratorin 10. Berlin Biennale 2018, Deutschland (Südafrika); Elvira Dyangani Ose, Direktorin The Showroom London, England; Philippe Pirotte, Rektor Staatliche Hochschule für Bildende Künste – Städelschule Frankfurt/M., Deutschland (Belgien); Jochen Volz Direktor Pinacoteca do Estado de São Paulo, Brasilien) hat entschieden: Das Künstler-Kollektiv Ruangrupa aus dem indonesischen Jakarta wird die kommende Kunstschau im Jahr 2022 kuratieren. Ruangrupa kann laut Documenta aus dem Indonesischen mit »Raum der Kunst« oder auch »Raum-Form« übersetzt werden. Farid Rakun und Ade Darmawan, die Ruangrupa in Kassel vertraten, formulieren ihren dezidiert partizipativen kuratorischen Anspruch für die Weltkunstausstellung 2022: »Wir wollen eine global ausgerichtete, kooperative und interdisziplinäre Kunst- und Kulturplattform schaffen, die über die 100 Tage der Documenta 15 hinaus wirksam bleibt... Unser kuratorischer Ansatz beschreibt das Kollektiv als ein »anders geartetes, gemeinschaftlich ausgerichtetes Modell der Ressourcen­nutzung – ökonomisch, aber auch im Hinblick auf Ideen, Wissen, Programme und Innovationen. Wenn die Documenta 1955 antrat, um Wunden des Krieges zu heilen, warum sollten wir nicht versuchen, mit der Documenta 15 das Augenmerk auf heutige Verletzungen zu richten. Insbesondere solche, die ihren Ausgang im Kolonialismus, im Kapitalismus oder in patriarchalen Strukturen haben. Diesen möchten wir partnerschaftliche Modelle gegenüberstellen, die eine andere Sicht auf die Welt ermöglichen.« Das Kollektiv gründete sich im Jahr 2000 in Jakarta, Indonesien. ruangrupa betreibt einen Kunstraum in South Jakarta und realisiert Ausstellungen, Festivals, Publikationen und Rundfunkformate. Das Kollektiv war an vielen Kooperations- und Ausstellungsprojekten beteiligt, darunter an Ausstellungen wie der Gwangju Biennale (2002 und 2018), der Istanbul Biennale (2005), der Asia Pacific Triennial of Contemporary Art (Brisbane, 2012), der Singapore Biennale (2011), der São Paulo Biennale (2014), der Aichi Triennale (Nagoya, 2016) und Cosmopolis im Centre Pompidou (Paris, 2017). Im Jahr 2016 kuratierte ruangrupa TRANSaction: Sonsbeek 2016 in Arnheim, Niederlande.
 

Der Roland-Preis für Kunst im öffentlichen Raum geht 2018 an Michaela Melián.

15.02.2019

Die Preisver-leihung findet  im Kaminsaal des Bremer Rathauses am Montag, den 25. Februar 2019 um 17.00 Uhr statt. Im Anschluss daran hält die Künstlerin Michaela Melián um 19.00 Uhr in der Bremer Kunsthalle einen Vortrag.

Michaela Melián, 1956 geboren, lebt in Berg bei München und in Hamburg, wo sie eine Professur für zeitbezogene Medien an der Hochschule der Bildenden Künste innehat. Sie ist bildende Künstlerin, Hörspielmacherin, Solo-Musikerin und Mitglied der Gruppe FSK. Aus der Begründung der Jury: »Michaela Melián hat als eine der ersten den virtuellen Raum als Ort für künstlerische Inter-ventionen besetzt. Neben Zeichnungen, mit der Nähmaschine genähten Bildern, Installationen sowie Musikstücken ist eines ihrer Hauptarbeitsfelder der öffentliche Raum. Melián arbeitet zu Körper- und Geschlechterverhältnissen, Erinnerungspolitik und deutscher Geschichte. In ihrem formal und medial breit angelegten Werk setzt sich Melián immer wieder mit gesellschaftspolitisch relevanten Fragen auseinander. Bei ihren Projekten im Stadtraum nutzt sie zahlreiche Medien: neben fast schon klassischen Formen wie Installationen, Aktionen und Wandbild sind dies das Hörspiel, die Lesung historischer Texte sowie Sound im Radio und Internet. Mit dieser Vielfalt an Medien erweitert sie den realen öffentliche Raum um den virtuellen Raum. Insbesondere mit ihren individuell über das Mobiltelefon im Münchner Stadtraum akustisch abrufbaren Memory Loops (kurzen biografischen, nachgesprochenen Interviews) verbindet sie reale Orte mit ihrer Historie, persönliche Schicksale mit einer Rezeption am Ort des Geschehens. Migration, Judenverfolgung und die NS-Gewaltherrschaft sind wichtige Themen in Meliáns Oeuvre. Ausgehend von intensiven historischen Recherchen, der Sichtung, Bearbeitung und Transformation von Zeugnissen und Informationen schafft die Künstlerin, innovative Formen und Formate zu diesen wichtigen gesellschaftlichen Themen und entwickelt dabei eine neue Gedenkkultur.« 

Käthe-Kollwitz-Preis 2019: Hito Steyerl.

15.02.2019

Die Eröffnung und Preisverleihung findet am 20. Februar 2019, 19 Uhr in der Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin statt.

Mit der Verleihung des Käthe-Kollwitz-Preises 2019 an Hito Steyerl ehrt die Akademie der Künste eine internationale Künstlerin, deren besonderes Interesse den Medien, der Technologie und der Verbreitung von Bildern gilt. Ihr Werk umfasst Texte, Performances, Multimedia-Installationen und essayistische Dokumentarfilme, in denen sie sich mit postkolonialer Kritik, feministischer Repräsentationslogik sowie den Einflüssen der Globalisierung auf den Finanz-, Arbeits- und Warenmarkt auseinandersetzt. Die Jury bildeten die Akademie-Mitglieder Douglas Gordon, Katharina Grosse und Ulrike Lorenz.

Die Akademie der Künste zeigt anlässlich der Preisverleihung vom 21. Februar bis 14. Apri 2019 u. a. die raumgreifende Installation »Hell Yeah We Fuck Die« (2016) aus stählernen Absperrelementen und Wänden mit kompilierten Video-Audio-Sequenzen humanoider Roboter. Hier konkretisiert Steyerl die Frage nach dem Einfluss virtueller Realitäten auf die User*innen und Rezipient*innen im Hinblick auf die Rolle von Computertechnologien in Kriegssi-tuationen. Auch die zweikanalige Videoarbeit »Abstract« (2012) konfrontiert die Überbleibsel einer militärischen Konfliktsituation in der von Kurden bevölkerten Osttürkei mit Handybildern der Künstlerin auf dem Pariser Platz. Die Preisträgerin zeigt außerdem auf einer LED-Wand ihre filmische Studie »Empty Centre« (Leere Mitte, 1998). Ebenso sind die Videoarbeiten »Normality 6« (1999) und »Babenhausen« (1997) zu sehen. Hito Steyerl (geb. 1966 in München) ist Professorin für Experimentalfilm und Video sowie Mitbegründerin des Research Centers for Proxy Politics an der Universität der Künste Berlin. Sie studierte in Tokio und München Kinematographie und Dokumentarfilmregie. 2003 schloss sie ihre Promotion in Philosophie an der Akademie der Bildenden Künste Wien ab. Ihre Werke wurden unter anderem auf der Biennale in Venedig, im Museum of Contemporary Art, Los Angeles, und im Museum of Modern Art (MoMA), New York, ausgestellt.  Der Käthe-Kollwitz-Preis, den die Akademie der Künste jährlich an eine bildende Künstlerin / einen bildenden Künstler vergibt, ist mit 12.000 Euro dotiert. Bisherige Preisträger waren u. a. Adrian Piper (2018), Katharina Sieverding (2017), Edmund Kuppel (2016), Bernard Frize (2015), Corinne Wasmuht (2014). Köln, Trägerin des Käthe Kollwitz Museum Köln.  Info: www.adk.de/de/akademie/preise-stiftungen/Kollwitz_Preis.htm