Der Turner-Preis 2018 geht an Charlotte Prodger.

Die 44-Jährige Künstlerin erhält die wichtigste britische Auszeichnung für moderne Kunst und wurde für ihre Kurzfilme »Bridgit« und »Stoneymollan Trail« ausgezeichnet. Prodgers Werke zeugten vom »tiefgründigsten Gebrauch eines Geräts, so nüchtern wie die iPhone-Kamera, die die Kunst bisher gesehen hat«, so der Vorsitzende der Jury und Direktor der Tate Britain, Alex Farquharson. »Bridgit«, ein teilweise autobiografisches Werk, beschäftigt sich unter anderem mit der Identität von Menschen, die sich als queer bezeichnen. Ein Jahr lang filmte Prodger die schottische Landschaft und ihre Wohnung, darüber legte sie Soundeffekte aus ihrer Umgebung. Außerdem tritt sie selbst an einigen Stellen als Erzählerin auf und lässt Freunde aus Tagebüchern und Romanen von queeren Autoren vorlesen. Der Turner-Preis ist die wichtigste britische Auszeichnung für moderne Kunst. Er ist nach dem englischen Maler William Turner (1775-1851) benannt und wird seit 1984 vergeben. Das Preisgeld für den Gewinner beträgt 25.000 Pfund (etwa 28.000 Euro). Die anderen Nominierten bekommen jeweils 5000 Pfund. Zu den vier Nominierten gehörten außerdem das Kunst- und Recherchekollektiv Forensic Architecture sowie die Einzelkünstler Naeem Mohaiemen und Luke Willis Thompson. Sie erhalten je 5000 Pfund. Unter den Preisträgern sind bislang erst zwei Deutsche: der Fotograf Wolfgang Tillmans (2000) und die Malerin Tomma Abts (2006).

Hans D. Christ und Iris Dressler als Direktor*innen des Württembergischen Kunstvereins für weitere fünf Jahre bestätigt.

Hans D. Christ (1963 geboren, Kunst- und Germanistik-Studium in Dortmund)  und Iris Dressler (1966 geboren, Studium der Kunstgeschichte in Marburg  und Bochum) leiten den Württembergischen Kunstverein seit 2005. Neben  zahlreichen Ausstellungen von internationaler Strahlkraft, wie zuletzt  »Imogen Stidworthy. Dialogues With People« (bis 13.1.2019), »50 Jahre nach 50  Jahre Bauhaus« 1968 (2018), »Alexander Kluge. Gärten der Kooperation« (2017)  oder »Ines Doujak. Not Dressed for Conquering« (2016) haben Sie den  Kunstverein zu einer offenen Plattform für lokale Akteur*innen aus den  Bereichen Kunst, Aktivismus und zivilgesellschaftlichem Engagement  gemacht. Hans D. Christ und Iris Dressler: »Unser Plan für die Zukunft  sieht vor, den Bereich der Vermittlung  deutlich zu erweitern und neue Impulse gerade im Hinblick auf Fragen der  Diversität zu setzen. Im Rahmen der Entwicklung eines international und lokal bedeutsames Programm geht es uns unter anderem um die Vernetzung und  Soli-darisierung angesichts des aufkommenden Rechtspopulismus in Europa und  anderswo. Dem Bereich der Digitalisierung möchten wir uns mit einem  kritischen Blick auf die Macht der Algorithmen nähern. Nach einer auch  selbstkritischen Betrachtung unserer bisherigen Arbeit, die zwar dem  Anspruch eines  Kunstprogramms jenseits der Positionen aus Westeuropa und  Nordamerika gerecht wurde, wollen und müssen wir den Frauenanteil deutlich erhöhen.« Info: www.wkv-stuttgart.de


Paula-Modersohn-Becker Kunstpreis 2018.

25.11.2018

Der Hauptpreis geht an Nezaket Ekici, der Sonderpreis an Karin Borchers und der Nachwuchspreis an Fritz Laszlo Becker. Die türkischstämmige, in Deutschland lebende Nezaket Ekici ist mit vier medialen Einblicken in ihre Performance-Kunst in der Ausstellung zum diesjährigen Paula Modersohn-Becker Kunstpreis vertreten. Radikal und bis an die Grenzen des körperlich Machbaren gehend, setzt sie sich in ihren zahlreichen Performances mit biografisch konnotierten Themen auseinander.  Die Begründung der Jury (Kathrin Becker - N.B.K. Leiterin Videoforum, Berlin, Roland Nachtigäller - Direktor Museum Marta Herford, Stephan Berg - Intendant Kunstmuseum Bonn) zu ihrer Entscheidung: »Der Künstlerin gelingt es, Fragen nach der Konstruktion des Körpers und weiblicher Identität zwischen verschiedenen kulturellen Kontexten auf inhaltlich wie visuell intensive Weise zu vermitteln.Dabei verbindet sie die körperlichen Grenzerfahrungen ihrer Performances mit einer überzeugenden Übersetzung in die Medien Video und Fotografie.« Den Sonderpreis für eine/n im Landkreis Osterholz wohnenden Künstler/in erhielt die Worpswederin Karin Borchers, die durch ihre  klassische Farbfeld-Malerei auffällt. Der Nachwuchspreis ging an den 28jährigen Bremer Fritz Laszlo Weber, der politik-  und gesellschaftskritisch aus Versatzstücken des Internets die Reaktion auf die Ermordung eines NSU-Opfers durchdekliniert. Der Paula Modersohn-Becker Kunstpreis wurde 2010 erstmalig ausgelobt und ist ein Preis des Landkreises Osterholz für die Metropolregion Bremen-Oldenburg im Nordwesten (»Metropolregion Nordwest«) und soll zukünftig in zweijährigem Turnus vergeben werden. Der Hauptpreis ist mit 7.500 Euro dotiert, der von Karl-Heinz Marg gestiftete Nachwuchspreis mit 1.000 Euro. Der Sonderpreis wird mit einem Werkankauf durch Landkreis und eine Sonderausstellung in der Galerie Altes Rathaus prämiert. Die Ausstellungen zum Paula-Modersohn-Becker-Kunstpreis sind in der Großen Kunstschau und im Barkenhoff in Worpswede  bis zum  3. März 2019 zu sehen. Die Sonderpreisträgerin präsentiert ihre Werke darüber hinaus vom 6.1. bis 10.2.2019 in der Worpsweder Galerie Altes Rathaus. Info: www.pmb-kunstpreis.de