Sebastian Stein neuer künstlerischer Leiter und Geschäftsführer des Kunstvereins Langenhagen.


Sebastian Stein wird die Stelle ab Juni 2021 antreten und voraussichtlich ab Herbst 2021 sein neues Programm präsentieren. Mit seinem institutionellen und kuratorischen Konzept überzeugte er die Jury und setzte sich gegen 27 Mitbewerber*innen durch. Sebastian Stein folgt auf Noor Mertens, die an das Kunstmuseum Bochum wechselt. Als neuer Leiter des Kunstvereins möchte sich Sebastian Stein der Frage widmen, was eine Kunstinstitution in der krisenhaften Gegenwart am Anfang des 21. Jahrhunderts sein könnte. »Es könnte dabei um gemeinsames Beforschen, um Selbstbefragung, Selbstverunsicherung und auch um Trips gehen. Das Ganze eher in einem Gruppenmodus. Und natürlich um die Frage danach, welche Rolle Kunst und ästhetische Praxis dabei spielen könnten - und welche lieber nicht.« Sebastian Stein (*1977) hat Ethnologie, Soziologie und Französisch studiert. Nach Aufenthalten in Frankreich und Belgien lebte er einige Zeit in München, wo er unter anderem Teil vom Komitee des Lothringer13/Laden war. Seitdem ist er vor allem in selbstorganisierten Zusammenhängen im Kunstfeld tätig, so u. a. als Teil von NO FUTURE Komplex oder zusammen mit Stephan Janitzky als Herausgeber der halbjährlich erscheinenden Zeitschrift MUSS STERBEN. 2015/2016 hatte er die künstlerische Leitung des M.1 der Arthur Boskamp-Stiftung in Hohenlockstedt bei Hamburg inne. Seit 2017 betreibt er als selbsternannter Assistent das ruine HQ in Hannover mit. Seit 2019 ist Sebastian Stein freiberuflich für den Kunstverein Langenhagen tätig und dort hauptverantwortlich für die Konzeption und Durchführung der Kunstvermittlung.

Norman Sandler erhält den 44. Bremer Förderpreis für Bildende Kunst 2020.

Zum 44. Mal vergibt der Senator für Kultur den Bremer Förderpreis für Bildende Kunst. Das Preisgeld beträgt 6.000 Euro, dazu kommen eine Einzelkatalogförderung in Höhe von 3.000 Euro sowie eine spätere Einzelausstellung in der Städtischen Galerie Bremen. Aus den Bewerbungen wählt eine regionale Vorschlagskommission die Teilnehmer und Teilnehmerinnen für eine Ausstellung in der Städtischen Galerie Bremen aus. Aus dieser Ausstellung heraus bestimmt eine überregionale Jury die Preisträgerin oder den Preisträger. Die Hauptjury (Jenni Henke, Noor Mertens, Susanne Pfleger, Thomas Rentmeister, Petra Stegmann) hat den Künstler Norman Sandler als Preisträger benannt. Die Begründung: »Dass Norman Sandler ein virtuoser Zeichner ist, erschließt sich erst auf den zweiten Blick – zunächst erscheinen die gerahmten Schriftstücke seiner sechsteiligen Arbeit ‘Deko und Diskurs’ wie Ausdrucke einer PDF, Screenshots von E-Mail-Korrespondenzen und eine Rechnungskopie, deren Druckbild einen baldigen Kartuschenwechsel empfiehlt. Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass alles hier Gezeigte akribisch, meisterhaft und illusionistisch gezeichnet wurde, also Bilder und nicht Texte zu sehen sind. Damit steht Sandler in der bereits auf die Antike zurückgehenden Tradition des Trompe l’œil, der Augentäuschung... Mit seinen Arbeiten spiegelt er augenscheinlich vor, nicht Kunst, sondern Wirklichkeit zu produzieren. Doch Sandlers Werke sind mehr als ästhetisch virtuose Spielereien – sie sind versponnen in ein feines konzeptuelles Netz, in das zudem Fragen nach den Bedingungen von künstlerischer Produktion, Institutionskritik und eine Reflektion des Kunstmarkts verwoben sind. Die Werke Sandlers laden ein zur Auseinandersetzung mit den Themen Wirklichkeit und Wert, stellen die technologiegeprägte Umwelt zur Diskussion, indem das Zeichnerische der digitalen Perfektion ebenbürtig erscheint, und üben zugleich Ökonomiekritik, indem der Künstler das, was sich in Sekunden reproduzieren ließe, in einem tagelangen aufwändigen Prozess nachkreiert. Damit wird er zum Protagonisten einer umgekehrten Verweigerungshaltung, die sich in der Übererfüllung nicht gestellter Aufgaben manifestiert. Zudem erfährt Alltägliches, Ephemeres und Beiläufiges durch den aufwändigen künstlerischen Prozess eine enorme Aufwertung – und wird so zur Kostbarkeit.«

Maria Eichhorn bespielt den Deutschen Pavillon auf der Biennale von Venedig 2022.

Yilmaz Dziewior, Direktor des Museum Ludwig in Köln, kuratiert den Deutschen Pavillon. Dziewior:: »Ich finde, sie ist eine Künstlerin, die sich auf unterschiedlichste Weise mit der deutschen Geschichte auseinandergesetzt hat - auch damit, wie diese Geschichte nachwirkt. Ich bin aber auch ganz grundsätzlich ein Fan von ihr. Ihre Arbeiten bringen die Dinge auf den Punkt, und gleichzeitig sehen sie sehr gut aus. Sie sind in ihrer Klarheit oft von einer Härte und Einprägsamkeit, dass man denkt: Wow!« Auf der Documenta 2017 erforschte die gebürtige Bambergerin, die heute in Berlin lebt, die Enteignung von jüdischem Besitz. Als Beispiel diente ihr ein raumhohes Regal mit unrechtmäßig erworbenen Büchern. 15 Jahre zuvor hatte sie für die Documenta eine Aktiengesellschaft gegründet, deren Kapital nicht mehr vermehrt werden durfte. An der NS-Architektur des Deutschen Pavillons in Venedig haben sich schon viele Künstler abgearbeitet. Die 58-Jährige Maria Eichhorn tritt in die Fußstapfen u. a. von Gerhard Richter (1972), Joseph Beuys (1976), Hans Haacke (1993), Rosemarie Trockel (1999), Isa Genzken (2007), Christoph Schlingensief (2011) und Anne Imhof (2017).