Pauline Curnier Jardin erhält den Preis der Nationalgalerie.

Die 1980 in Marseille geborene und in Berlin lebende französische Künstlerin ist die Gewinnerin. Die Auszeichnung gilt als museale Ehrung für Künstlerinnen und Künstler unter 40 Jahren, die in Deutschland leben und arbeiten. Entscheidend für die Auswahl sind nicht ausschließlich die Werke in der Ausstellung, sondern das Gesamtwerk der jeweiligen Künstler*innen. Seit 2000 wird der Preis alle zwei Jahre vom Verein der Freunde der Nationalgalerie verliehen, 2019 bereits zum zehnten Mal. Der Preis der Nationalgalerie ist seit 2013 nicht mehr mit einem Geldpreis, sondern mit einer Einzelausstellung in einem der Häuser der Nationalgalerie im Folgejahr verbunden. Zwei Jurys sind am Verfahren beteiligt. Im Februar 2019 traf sich die erste Jury. Aus den zahlreichen vorgeschlagenen Künstler*innen  von Museumsdirektoren und Kunstvereinen wählte die Jury vier Positionen aus. Neben Pauline Curnier Jardin standen auf der Shortlist: Simon Fujiwara, Flaka Haliti und Katja Novitskov. Der Arbeiten sind bis zum 16. Februar 2020 im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin zu sehen. Die zweite Jury (Annie Fletcher, Anna-Catharina Gebbers, Udo Kittelmann, Philippe Vergne, Theodora Vischer) entschied sich einstimmtig für Pauline Curnier Jardin als Preisträgerin. Sie verbindet Installationen mit Performances, Film mit Skulpturen. Jardin verhandelt historische Ereignisse und Religion und bedient sich visueller und narrativer Elemente aus Theater und Erzählkino. Die Jury beeindruckte vor allem Pauline Curnier Jardins herausfordernde und vereinnahmende filmische und installative Sprache. Ihre Werk eröffnet eine verunsichernde Erfahrung, die auf der Verwirrung unserer Zeit gründet. Die grenzüberschreitende Arbeitsweise verbindet optische und erzählende Elemente von Theater und Kino. Im Hamburger Bahnhof in Berlin hat Pauline Curnier Jardin  begehbare Installationen geschaffen, in denen sich filmische Sequenzen mit Skulpturen verbinden. In der 16 Minuten dauernden Installation »Qu’un Sang Impure« etwa greift sie Jean Genets »Un Chant d’Amour« von 1950 auf, ersetzt dabei aber die jungen Insassen eines Gefängnisses durch Frauen nach der Menopause, die ebenso exzessiv wie verstörend ihre erotische Kraft zelebrieren. Im Juli 2019 trat noch einmal die erste Jury zusammen und entschied über den*die Gewinner*in des Förderpreis für Filmkunst, der Lucia Margarita Bauer zugesprochen wurde. Nationalgalerie und Filmakademie vergeben den Preis gemeinsam seit 2011, um den Austausch zwischen der filmenden und der bildenden Kunst zu unterstützen.

 


Udo Kittelmann verlässt die Nationalgalerie.

Der Herr über fünf Berliner Häuser – Alte und Neue Nationalgalerie, Hamburger Bahnhof, Museum Berggruen, Sammlung Scharf-Gerstenberg  – hört nach zwölf Jahren an der Spitze zum 31. Oktober 2020 auf. »Udo Kittelmann hat die Nationalgalerie im nationalen wie internationalen Rahmen zum Global Player gemacht«, sagte Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, in einem Statement. Bis zur Neubesetzung der Stelle wird Joachim Jäger, sein bisheriger Stellvertreter, kommissarisch den Posten übernehmen.Verfolgt man seine Stationen, fällt auf, dass er überall markante Spuren hinterlassen hat. Eine Karriere vom Optiker zum Kunstvereinsleiter in Ludwigsburg und Köln, Direktor am Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main. 2001 holte er als Kommissar des Deutschen Pavillons mit Gregor Schneider den Golden Löwen. 2009  begann Kittelmann seine Tätigkeit im Hamburger Bahnhof mit der Ausstellung  »Die Kunst ist super!«. Bereits mit seiner ersten Ausstellung befragte Udo Kittelmann die Sammlung der Nationalgalerie vor dem Hintergrund vermeintlich stabiler Wertesysteme und etablierte Kunst als Seismograph gesellschaftlicher Veränderungen. Udo Kittelmann schreckte nicht vor einer 72 Stunden-Duchamp-Ausstellung zurück und gab jungen Künstlern wie Anne Imhof Raum. Auch bekamen seine Ausstellungen eine stärkere kulturhistorische Einbettung. Sei es »Moderne Zeiten. Die Sammlung. 1900-1945« (2010/2011), sei es »Die Schwarzen Jahre. Geschichten einer Sammlung. 1933-1945« (2015/2016) oder jüngst »Hello World. Revision einer Sammlung« im Hamburger Bahnhof, die thematisierte, wie die Sammlung der Nationalgalerie aussehen würde, wenn sie nicht mit eurozentristischem Blick erworben worden wäre. Udo Kittelmann hat den Hamburger Bahnhof zu einer wichtigen Schnittstelle zwischen alter und zeitgenössischer Kunst unter dem Dach der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gemacht. Nach der sanierungsbedingten Schließung der Neuen Nationalgalerie im Frühjahr 2015 wurde mit der »Neuen Galerie« im Hamburger Bahnhof eine temporäre Heimstätte für die Kunst der Klassischen Moderne eingerichtet. Allerdings ist inzwischen auch in Berlin nicht alles Gold, was glänzt. In der Stadt an der Spree wird  wie überall nur mit Wasser gekocht. Baustellen über Baustellen. Das Humboldt-Forum im wiedererrichteten Schloss wird nicht am 14. September zum 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt eröffnet werden. Eine andere Baustelle stellt das Museum der Moderne direkt neben der Neuen Nationalgalerie am Kulturforum dar. Auch ist die Zukunft der Rieck-Hallen des Hamburger Bahnhofs ungewiss. Möglicherweise für Udo Kittelmann Gründe, die Nationalgalerie auf eigenen Wunsch zu verlassen und seinen Vertrag nicht zu verlängern

Claudia Piepenbrock im Gerhard-Marcks-Haus.

Claudia Piepenbrock im Gerhard-Marcks-Haus: »zustand in zonen«. Die 1990 geborene Künstlerin schafft eindrucksvolle skulpturale Konstellationen, Ensembles aus verschiedenen Materialien mit einer großen körperlichen Präsenz, die Leichtigkeit und Schwere, Statik und Dynamik vereinen. Stets zielen ihre Interventionen auf die Veränderung der vorgefundenen Raumsituation und greifen in die Funktion der Räume und die Bewegungsabläufe der Besucher ein. Claudia Piepenbrock definiert und inszeniert Räume im Raum. In ihrer ersten großen Einzelausstellung gestaltet sie gleich sechs Räume im Gerhard-Marcks-Haus in einer Form, die den Besucher in jeweils neue Situationen eintreten lässt. Ihre bevorzugten Materialien sind Schaumstoff und Stahl. Claudia Piepenbrock ist Meisterschülerin und Absolventin der Hochschule für Künste Bremen. Sie erhielt 2016 den renommierten Karin Hollweg Preis, der mit einer Präsentation in einem Ausstellungshaus in der Metropolregion verbunden ist. Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Katalog begleitet. Vom 25. August bis 17. November 2019.  Info: Gerhard-Marcks- Haus, Am Wall 208, 28195 Bremen, Fon 0421/9897520, Fax 0421/98975249. www.marcks.de