Light-Lockdown

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigt und steigt, immer mehr Städte und Kreise gelten als Risikogebiet. Jetzt haben sich Bund und Länder auf einen neuen Maßnahmen-Katalog geeinigt, um die schwierige Situation in den Griff zu bekommen. Ab dem 2. November gelten umfassende Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens. Bundesweit werden Freizeiteinrichtungen und Gastronomie geschlossen, Unterhaltungsveranstaltungen verboten und Kontakte in der Öffentlichkeit sowie Zusammenkünfte auf Plätzen und in Wohnungen eingeschränkt. Theater, Opern, Kinos oder Konzerthäuser schließen. Auch Museen, Kunstvereine, Städtische Galerien bleiben geschlossen, Bibliotheken geöffnet. In einem offenen Brief kritisieren zahlreiche Museumsdirektoren die erneute Schließung ihrer Einrichtungen. Museen seien sichere Orte der kulturellen Bildung mit funktionierenden Hygienekonzepten. Mehr als vierzig Direktorinnen und Direktoren deutscher Kunstmuseen haben ihn unterschrieben, darunter Alexander Klar, Direktor der Kunsthalle Hamburg, Ulrike Groos, Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart und Stefan Berg, Direktor des Kunstmuseums Bonn.

Alexandra Bircken in der Reihe »Interventionen« des Kasseler Museum Fridericianum: »Top down / Bottom up«.

In dieser  Reihe präsentiert das Fridericianum ortsspezifische Werke, durch die – jenseits der regulären Ausstellungsflächen – die bislang nicht genutzten Zwischenbereiche und Verkehrsflächen des Gebäudes eine Aktivierung, Akzentuierung oder Transformation erfahren. Für das aktuelle Projekt hat die 1967 geborene Bildhauerin Alexandra Bircken eine Figur für den Portikus des Gebäudes geschaffen. Mittels 3-D-Scanner wandelte sie gesammeltes Datenmaterial in eine Gussform für eine grüne Figur um, die einen Handstand vorführt. Über dem Portikus des Fridericianum, zwischen den Allegorien der Architektur und Philosophie, verharrt eine grün schillernde Figur im Handstand. In der Arbeit ist die Pose einer jungen Turnerin verewigt. Wenige Meter von den Treppenstufen des Portikus entfernt steht ein zweiter, ebenfalls grün gefasster Aluminiumguss, der in der gleichen Weise wie die Höhenakrobatin realisiert wurde. Anders jedoch als die Plastik auf dem Gebäude steht die Figur auf dem Kopfsteinpflaster nicht auf den Händen. Hier ist die Turnerin um 180 Grad gedreht, erhebt sich also mit ihren Fußspitzen vom Boden und scheint mit ihren angewinkelten Händen das Firmament zu tragen. »Top down / Bottom up« lautet der Titel der beiden Skulpturen. Das zweiteilige Werk spricht mit und widerspricht zugleich der historischen Architektur des Fridericianum sowie den am Friedrichsplatz realisierten Außenskulpturen aus vergangenen documenta Ausstellungen.

Amalia Pica im Museum Haus Konstruktiv.

Die 1978 geborene argentinische Künstlerin ist die dreizehnte Gewinnerin des Zurich Art Prize. Der mit 100.000 CHF dotierte Preis setzt sich aus einem Budget von 80.000 CHF für die Produktion einer Einzelausstellung im Museum Haus Konstruktiv und einer Preissumme von CHF 20.000 CHF zusammen. Ihre Installationen, Skulpturen, Zeichnungen, Filme, Fotografien und Performances zeichnen sich durch eine minimalistische Formensprache aus. Der Austausch und die Übertragung von Information in Form von Sprache, Symbolen oder Gesten, ist ein Thema, das Pica in ihrem künstlerischen Schaffen immer wieder aufgreift. Die ausgestellten Werke im Museum Haus Konstruktiv zeugen von diesem Interesse. Neben einer neuen Rauminstallation ist die installative Arbeit Joy in Paperwork zu sehen. Kuratiert von Sabine Schaschl. Bis zum 17. Januar 2021. Info: Museum Haus Konstruktiv, Selnaustrasse 25, 8001 Zürich, Fon 0041/44/2177080. www.hauskonstruktiv.ch