Kito Nedo wird mit dem Preis für Kunstkritik 2017 ausgezeichnet

Der mit 3.000 Euro dotierte Preis wird von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV) in Kooperation mit der ART COLOGNE verliehen und richtet sich an freie Journalistinnen und Journalisten. In der Begründung der Jury(Marius Babias, Astrid Mania, Jörg Scheller, Tobias Timm, Gerrit Gohlke) heisst es: »Nedo ist ein Kritiker, der seinen Platz noch nie allein dort gesehen hat, wo der Kunstbetrieb stillschweigend Macht und Bedeutung konzentriert. Oft greift er zu klassischen journalistischen Formaten, um in Berichten, Analysen und Interviews von seiner enzyklopädischen Kenntnis auch selten beachteter Ausstellungsorte zu profitieren. So unterläuft er die hypnotische Fixierung auf Groß-Events und Stars, um auch kritische Stimmen einzufangen. Er verteidigt einen Ton gelassen ruhiger Beobachtung, der sich von Verlautbarungs- und Huldigungsprosa fernzuhalten weiß. Kritik ist für Kito Nedo immer auch Umverteilung von Aufmerksamkeit und damit ein Beitrag zur Fairness gegenüber Einzelpositionen und Randphänomenen.« Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger: Jörg Scheller (2016); Stefan Kobel (2015); Barbara Buchmaier und Christine Woditschka (2014); Astrid Mania (2013); Kolja Reichert (2012); Jens Kastner (2011); Jennifer Allen (2009); Rudolf Schmitz (2008); Ludwig Seyfarth (2007); Catrin Lorch (2006); Dominic Eichler (2005); Gregory Williams (2004); Raimar Stange (2003); Renate Puvogel (2002); Jan Verwoert (2001); Stefan Römer (2000); Hans-Christian Dany (1999). Der Preis wird zusammen mit dem ADKV-ART COLOGNE Preis für Kunstvereine am Freitag, 28. April 2017 um 15 Uhr in der TALK LOUNGE in Halle 11.3 der ART COLOGNE verliehen.

Das »VG-Stipendium 2017« geht an Annika Kahrs.

Das Stipendium, mit dem die Schweizer Vordemberge-Gildewart-Stiftung an den Künstler Friedrich Vordemberge-Gildewart (1899 bis 1962) erinnert, ist mit dem Preisgeld von 60.000 Schweizer Franken (etwa 56.000 Euro) eine der höchstdotierten Auszeichnungen für europäische Nachwuchsförderung. Annika Kahrs studierte von 2005 bis 2012 an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Harun Farocki und an der Freien Akademie der Künste in Hamburg. Sie wurde bereits mit verschiedenen Preisen und Stipendien ausgezeichnet, u. a. mit dem Aufenthaltsstipendium der Cité Internationale des Arts, Paris (2015/16), dem Bremerhaven-Stipendium (2014) und dem George Maciunas Förderpreis (2012). Nominiert waren zwölf Künstlerinnen und Künstler unter 35 Jahren, die alle einen regionalen Bezug zu Norddeutschland habern und überwiegend Absolventen der Kunsthochschulen in Braunschweig, Bremen und Hamburg sind. Dieses Jahr ist die Kestnergesellschaft in Hannover einmaliger Austragungsort der Preisvergabe und der damit verbundenen Gruppenausstellung »VG Stipendium 2017«, die bis zum 7. Mai 2017 zu sehen ist. Die Jury betont: »Annika Kahrs zeigt in der Stipendiumsausstellung die Videoarbeit ‚Sea-Pool‘ von 2016 sowie drei Zeichnungen, die in Kooperation mit Seeleuten entstanden sind. Die Seefahrer, die sie im Seemannsclub in Bremerhaven getroffen hat, schildern anhand der skizzenhaften Zeichnungen ihre privaten Wohnsituationen. Dabei geht es um Erinnerungen, Emotionen und um Wunschträume, die mit der fernen Heimat verbunden... Die Videoarbeit ist ebenfalls in der Welt der Schifffahrt verortet. Drehort ist die Weser-Fähre, die Dauer des Films entspricht der Fahrzeit zum anderen Flussufer. Im Fokus steht ein Billardtisch, den die Künstlerin formal – in der Komposition fast malerisch – austariert.... Die auf dem Tisch ausgelegten Kugeln beginnen sich langsam in verschiedene Richtungen zu bewegen, unvermittelt durchquert ein Auto oder dann der Schaffner das Bildfeld. Die Kugeln bewegen sich wie von Geisterhand, die Spieler fehlen. Dadurch lotet Annika Kahrs die Qualitäten der filmischen Möglichkeiten aus...« (Im artist Heft Nr. 105 hat Annika Kahrs die artist page gestaltet.)

24. Videokunst Förderpreis Bremen



Seit 1992 setzt der Preis, vergeben vom Filmbüro Bremen, konsequent auf junge, avancierte Positionen. Prämiert werden keine bereits existierenden Arbeiten, sondern Konzepte, die mit Hilfe des Preisgeldes realisiert werden und in Bremen ihre Premiere feiern. Bis zum 21. Mai 2017 präsentiert die Weserburg | Museum für moderne Kunst in diesem Jahr die Preisträger. Neben den beiden neuen, erstmals öffentlich zu sehenden Videoprojektionen erweitern die Künstler die Ausstellung um mehrere Arbeiten aus unterschiedlichen Phasen ihres Schaffens. Eine dreiköpfige  Jury (Fieder Nake, Ulrike Pfeiffer, Ivo Wessel) hat entschieden. Der erste Preis, dotiert mit 5.000 Euro, geht an den Franko-Kanadier Kenji Ouellet aus Berlin für sein Werk »In Dog Years I‘m Dead«. Die Jurybegründung: »Kenji Ouellet nimmt sich für sein geplantes Video-Werk die gar nicht nur feine Welt des Balletts vor. Höchster Leistungsdruck, große Anforderungen an die Erscheinung der Körper der Tanzenden, Unterwerfung unter hierarchische Strukturen sind Komponenten dieser Welt begeisternder Werke, an die wir gewöhnlich nicht denken, wenn wir Ballett- oder Tanz-Aufführungen sehen. Er folgt der Spur einer jungen Tänzerin in den Übungssaal. Sie drückt dabei ihre Gedanken in Form berühmter Aussagen von Tanzexperten und Philosophen aus. Dadurch entsteht eine hohe Spannung zwischen an die Grenzen gehender körperlicher Anstrengung und Höhenflügen des Geistes, die die Gedanken der Zuschauenden auf überraschende Weise anregen können... « Der zweite Preis, dotiert mit 1.500 Euro, geht an Hassan Sheidaei und Farzia Fallah für ihr Projekt »Das Vergessen«. »Sie greifen das verstörende Ersticken einer Gruppe von Flüchtlingen im LKW auf österreichischen Straßen auf, das uns vor nicht langer Zeit erschrecken ließ... Künstlerisch werden das Sehen und Hören gleichermaßen in ihren beiden Ebenen polyphonisch in Spannung versetzt. Feine Geräusche des Ein- und Ausatmens als Erinnerung an das Ersticken versiegen langsam und lassen uns in tiefem Nachdenken zurück. Vielleicht nachdenklicher als bei den TV-Nachrichten. Das Werk besitzt eine politische Dimension, ohne diese direkt anzusprechen«, so die Jury.  Info: www.weserburg.de, http://www.filmbuero-bremen.de/home/