Artist Ausgabe Nr. 91

Portraits

Jan Peter Hammer | Yuji Takeoka | Joachim Grommek | John Smith | Yael Bartana

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Knut Eckstein

Edition

Joachim Grommek

Portrait

o.T. # 140, 2010, Lack, Acryl, Öl, Grundierung auf Spanplatte, je 50 x 50 cm, Foto: Uwe Walter

Textauszug

Joachim Grommek
Eine Malerei, die in unserer auf- und abgeklärten, authentizitätsversessenen Gegenwart mit Illusion und Täuschung operiert, kann nur auf Ent-Täuschung, also Erkenntnis abzielen. An den Arbeiten von Joachim Grommek entzünden sich vor allem Fragen nach dem Status des Bildes und den Möglichkeiten zeitgenössischer Malerei. Im Falle des 1957 geborenen in Berlin lebenden Grommek handelt es sich um eine Malerei, die aus guten Gründen einer »Neuen Abstraktion« zugerechnet wird und zugleich doch auch gegenständlich ist, die zeitgenössisch und zugleich in der Geschichte der Malerei der Moderne verankert ist, die also Paradoxien und Reibungen mit einschließt. In vier großen Werkgruppen hat sich die Arbeit seit der Jahrtausendwende entwickelt. Sie sind Gegenstand einer Ausstellungsserie, die nach Stationen in Wolfsburg, Ludwigshafen und Remscheid 2013 noch in Zürich zu sehen sein wird; an diesen vier Gruppen orientiert sich auch die folgende Skizze zur Arbeit des Künstlers.

Was zu sehen ist, sind einerseits abstrakte Bilder in der Tradition der konstruktiven Moderne oder vielmehr deren ironische Rekonstruktion. So finden sich in diesen Arbeiten Anklänge an Malewitsch und Mondrian, Kelly und Knoebel, Palermo und Fruhtrunk. Auch weist jede von ihnen eine spezifische, meist von klaren Farben und markanten Kontrasten geprägte Farbigkeit auf, die sie zudem in Beziehung zur Farbfeldmalerei stellt. Andererseits handelt es sich in doppelter Hinsicht um gegenständliche Bilder. Zum einen besteht die ganze vermeintliche Abstraktion aus gemalten Abbildungen realer Dinge. Zum anderen ist der Prozess der Bildfindung Gegenstand des Bildes. Nachvollziehbar und anschaulich dargestellt ist das Planen und Probieren, das Entscheiden und Hantieren bei der Arbeit am Bild. Auf dieser Ebene der Darstellung wird das Bild als ein noch unfertiges gezeigt, die Offenheit des Prozesses betont. Zugleich ist es als Malerei abgeschlossen. Diese Bilder Joachim Grommeks sind Malereien, die Bilder darstellen. Diese feine Differenz kann helfen, der Frage nach dem Wesen von Malerei und Bild auf die Spur zu kommen.

In diesen Bildern, die zunächst von den unvermeidlichen Begleiterscheinungen des Malens handeln und sich als authentische Zeugnisse des realen Malprozesses ausgeben, zeigt sich das Zufällige als gezielte Setzung. Die Malerei täuscht etwas vor und ist zugleich fast nichts anderes, als zu sehen ist – wäre der Pressspan nicht gemalt, wäre er fast genauso als echtes Material zu sehen und der Unterschied zwischen einem bewusst platzierten und einem zufälligen Farbfleck ist noch weniger auszumachen. Insofern ist die Malerei hier abstrakt und gegenständlich, wahr und zugleich falsch. Und nebenbei lassen sich die Bilder dieser Gruppe auch als ironische Paraphrasen einer hypersensiblen Malerei der sparsamen Gesten und aleatorischen Ereignisse verstehen.

Jens Peter Koerver