Thomas Deecke gestorben


Am 4. Juli 2017 ist der Gründungsdirektor der Weserburg, Thomas Deecke, im Alter von 77 Jahren gestorben. Er sorgte dafür, dass Bremen am 6. September 1991 als erste Stadt in Europa ein reines Sammlermuseum eröffnen konnte und brachte die großen Namen der Gegenwartskunst an die Weser. Es gelang ihm zwischen den Jahren 1991 bis 2005 herausragende Sammler aus dem In- und Ausland langfristig an das Museum zu binden. Unter der Leitung von Thomas Deecke wurde das Haus unter dem Namen „Neues Museum Weserburg" in den alten Speicherhäusern auf dem Teerhof eröffnet. Erstmals wurde in Europa das Konzept eines Sammlermuseums umgesetzt, um ausschließlich Gegenwartskunst privater Leihgeber zu zeigen. Das Konzept des Museums war in der Kunstwelt ein Novum. In Deeckes Amtszeit konnte sich das Haus nationales und internationales Ansehen erarbeiten. 1940 in Lübeck geboren, studierte Thomas Deecke Kunstgeschichte, klassische Archäologie und Neuere Geschichte in Freiburg, München und Berlin. Nach seiner ersten Reise in die USA Mitte der 1960er Jahre promovierte er 1973 an der Freien Universität Berlin. Anschließend betreute er beim Berliner Künstlerprogramm internationale Künstlergäste der Sparten Bildende Kunst, Musik, Literatur und Film. Ende der 1970er Jahre wurde Deecke Geschäftsführer des Westfälischen Kunstvereins in Münster. Nach weiteren Stationen in Berlin kam Thomas Deecke an die Weser. Bis zu seinem Tod lebte Thomas Deecke in Berlin und Italien.

documenta 14: Olu Oguibe erhält den mit 10.000 Euro dotierten Arnold-Bode-Preis 2017 nach einem Beschluss des Magistrats der Stadt Kassel.

 Oguibe beschäftigt sich in seiner Arbeit als Künstler, Kulturwissenschaftler und Kurator immer wieder mit Flucht und Migration. Für die documenta hat der 52-Jährige einen Obelisken angefertigt, der in Deutsch, Englisch, Arabisch und Türkisch die Inschrift »Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt? aus dem Matthäus-Evangelium trägt. Der Obelisk sei »eine Arbeit, die eines der brennenden Themen der Gegenwart aufnimmt und mit der Formgebung einen Bezug zur Geschichte herstelt«, so der Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) zur Begründung. Das Werk sei den 60 Millionen Menschen gewidmet, die sich auf der Flucht befinden. Die Werke des aus Nigeria stammenden US-Künstlers wurden u. a. in New York, London und Zürich gezeigt. 2007 nahm er an der Biennale in Venedig teil, das Jahr, in dem Afrika erstmals mit einem Pavillon vertreten war. Oguibe setzt sich seit fast vier Jahrzehnten Erfahrung als Konzeptkünstler mit Themen zu sozialen und formellen Fragen auseinander. 2013 erhielt Oguibe für sein Lebenswerk den Kunstpreis des Gouverneurs von Connecticut. Er lebt und arbeitet in der Kleinstadt Rockville, Connecticut. Die documenta 14 in Kassel läuft noch bis zum 17. September.

Biennale Venedig: Goldener Löwe geht an den Deutschen Pavillon und an Franz Erhard Walther.

Der von der Frankfurter Künstlerin Anne Imhof gestaltete deutsche Pavillon bekam den Goldenen Löwen als bester nationaler Beitrag. Kuratiert von Susanne Pfeffer. Zur Begründung der Jury: »Für eine starke und verstörende Installation, die drängende Fragen unserer Zeit stellt. Sie zwingt den Betrachter in einen beklemmenden Zustand. Imhofs Arbeit zeichnet eine präzise Auswahl von Objekten, Bildern, Körpern und Klängen aus, die eine eigenständige Antwort auf die Architektur des Pavillons gibt.«  Anne Imhof zeigt eine etwa fünf Stunden lange bedrückende Performance. Unter dem Titel »Faust« spielt sie mit den Themen Macht und Ohnmacht, Willkür und Gewalt, Widerstand und Freiheit. In der fünfstündigen Choreographie bewegen sich die Performer im und rund um den Deutschen Pavillon, begrenzt durch Gitterzäune und Hunde, gespiegelt durch einen gläsernen Boden. Als einzige Nation erhielt Deutschland bereits sechsmal den Goldenen Löwen für den besten Länderbeitrag auf der Kunstbiennale Venedig: 1984 mit Lothar Baumgarten und A. R. Penck (Kommissar: Johannes Cladders); 1986 mit Sigmar Polke (Kommissar: Dierk Stemmler), 1993 mit Hans Haacke und Nam June Paik (Kommissar: Klaus Bußmann), 2001 mit Gregor Schneider (Kommissar: Udo Kittelmann), 2011 mit ChristophSchlingensief (Kuratorin: Susanne Gaensheimer) und nun auch 2017 mit derPräsentation von Anne Imhof (Kuratorin: Susanne Pfeffer). Als bester Künstler wurde der Franz Erhard Walther aus Fulda mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Der 77-jährige Walther zeigt ein großformatiges Werk aus Textil. Er ist bekannt für seine Werke und Installationen, die den Betrachter mit einbeziehen. Seine Arbeiten hätten einen »radikalen und komplexen Charakter«, so die Jury.