Artist Ausgabe Nr. 85

Portraits

Almut Linde | Stephan Baumkötter | Preechaya Siripanich | Poul Gernes | Peter Böhnisch

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Beate Gütschow

Künstlerbeilage

Susanne Hanus

Portrait

o.T., 2010, Pastell, Ölstift auf Aluminium, 32 x 24 cm

Textauszug

Stephan Baumkötter
Die Arbeiten Stephan Baumkötters der Farbmalerei zuzurechnen, erscheint zunächst plausibel, erweist sich aber bei einem Blick auf
aktuelle wie auch historische Konstellationen und vor allem bei genauerer Beschäftigung mit seiner Arbeit als fragwürdig. Betrachtet man zunächst das äußerst weite, kaum überschaubare Feld der aktuellen Farbmalerei, so zeigt sich, zumal in Hinblick auf jüngere Künstler, eine verstärkte Tendenz zu raumgreifenden, installativen Erweiterungen des Malereibegriffs. Sie es bei Leni Hoffmann oder der Verwendung bedeutungsgeladener Farbmaterialien wie den Autolacken und Kosmetika bei Katinka Pilscheur. Gemessen daran hat sich die Arbeit Stephan Baumkötters kontinuierlich in traditionellen Bildmedien entwickelt, sie ist durch die Konzentration auf wenige Formen, Verfahrensweisen und Materialien bei gleichzeitiger, sukzessiver Ausweitung der Möglichkeiten charakterisiert.

Kleinere Leinwandarbeiten, fast ausnahmslos schmale Hochformate, entstehen seit etwa 1990, sie stehen am Anfang des malerischen Werks und bilden die Konstante seines Arbeitens. Erstaunlicherweise entwickelte sich der umfangreiche Komplex der Zeichnungen erst infolge der Malereien. Ab 1995 entstehen Pastellzeichnungen, ein variantenreicher, heterogener Werkstrang, der sich in diverse, teilweise auf einfachen, systematisch (oder auch teilautomatisch) anmutenden Zeichenverfahrensregeln beruhende Gruppen gliedern lässt und seit 2004 auch Großformate ermöglicht. Zeitgleich entstanden auch die ersten groß dimensionierten Malereien. Aus einigen Verfahrensweisen der Papierarbeiten - kleinflächigen, unregelmäßig kreisenden Verläufen und extrem verdichteten punktuellen Farbpartikelballungen - ergaben sich 2005 die ebenfalls mit Pastellkreiden ausgeführten ersten Wandzeichnungen, eine kleine Gruppe bislang und stets temporär konzipiert. Auch die ersten Arbeiten auf Aluminium entstanden Ende der 1990er Jahre als Zeichnungen, durch vertikale Abrollungen verschiedenfarbiger Pastellstifte. Ein weiteres Verfahren mit dem sich Stephan Baumkötter seit den späten neunziger Jahren beschäftigt, ist eine eigene Spielart der Monotypie, die sich allerdings erst 2006 wirklich in seinem Werk etablieren konnte und nun die technische Grundlage für seine in den letzten drei Jahren geschaffenen Mischtechniken auf Aluminium sowie die jüngst, seit 2009 geschaffenen Großformate auf Papier und Leinwand bildet.

Jens Peter Koerver