Artist Ausgabe Nr. 13

Portraits

Horst Müller | David Hodges | Sandra Kogut | Gerhard Merz | Jan Fabre | SUSI POP | Tom Koesel | Boris Doempke

Interview

Dr. Harald Welzer

Edition

Jan Fabre

Interview

Textauszug

Dr. Harald Welzer
Wird heute der Kunst nicht eine neue Omnipotenz zugeschrieben? Kunst soll nicht Kunst sein und alles andere alles andere, sondern Kunst wird zur Fortsetzung der Philosophie. Kunst und Philosophie sind doch unterschiedliche Disziplinen.

Ich bin schon der Auffassung, dass Kunst mehr leisten kann als alles andere in einem bestimmten Sinne. Ich stimme Ihnen surchaus zu, dass sich das nicht über einen Leisten schlagen läßt. Natürlich ist Wissenschaft etwas völlig anderes und es ist natürlich auch von dem funktionalen Zusammenhang, in dem sie steht, was anderes. Ich kann mich als Wissenschaftler nur innerhalb der Parameter von Wissenschaft und den Kriterien von Wissenschaftlichkeit bewegen, wenn ich das nicht tue, bin ich nicht mehr Wissenschaftler. Ich bin als Wissenschaftler sozusagen immer systemkonform. Und das ist der Unterschied, gar nicht mal zu einem Galeristen oder Ausstellungsmacher, sondern es ist der Unterschied zu einem Künstler, wo ich schon denken würde, auch wenn sich das altmodisch anhört, dass Künstler diejenigen sind, die über die Art und Weise, wie sie produzieren, tatsächlich die einzigen sind, die über das vorgegebene, das gesellschaftlich Präformierte hinausgehen können.Also das inetressiert mich ja an solcher Ausstellungstätigkeit, tatsächlich zu sehen, welcher Raum von Möglichkeit, welcher Raum von Erkenntnis schließt sich eigentlich über diese Art zu produzieren und diese Art zu vermitteln auf? Das ist für mich der springende Punkt. Und weil es im Vergleich zur Wissenschaft ein unsicheres Geschäft ist. In der Wissenschaft ist es natürlich einfach, da hält man sich an die Regeln und dann kommt irgendetwas dabei heraus...

Joachim Kreibohm