Artist Ausgabe Nr. 13

Portraits

Horst Müller | David Hodges | Sandra Kogut | Gerhard Merz | Jan Fabre | SUSI POP | Tom Koesel | Boris Doempke

Interview

Dr. Harald Welzer

Edition

Jan Fabre

Portrait

'Abstrakte Kuscheltiere', Kunstseide, Watte, 1991

Textauszug

SUSI POP
Kunst und Warenwelt teilen nicht nur den Reiz des Sichtbaren, des Oberflächlichen. Als Abstraktionen ist beiden gemeinsam eine relative Gleichgültigkeit gegenüber Inhalten. Susi Pop erscheint moralischer als das Kapital. Doch auch die Zeichen der Warenwelt verraten nichts von der Unmoral der Profiterzeugung. Ein Aktienindex, die Statistiken der internationalen Rüstungsindustrie sagen so wenig über die Methoden der Macht und ihre Opfer wie sich auch Susi Pop gleichgültig zeigt gegenüber diesen Vor-Bildern. Ein Hase, Daimler-Benz, ein Blumentopf, die Pink Beauties... einmal in Pink getaucht und die Norm aller Bedeutung schwindet gegen Null. Natürlich kann unter solchen Umständen Susi Pop und nur als Konzept, als eine Figur mit Zeichencharakter überleben. Eine leibhaftige Person müßte unter der Bedeutungslosigkeit vielleicht leiden, aber das würde, wie jeder weiß, weder die Kunst noch das Kapital interessieren. Susi Pop indes vermittelt die Unersättlichkeit der Systeme. Insofern agiert sie als ein heimliches und unheimliches Medium.

Angelika Stepken