Der Karin Hollweg Preis 2016 geht an die 1990 geborene Claudia Piepenbrock.

Der Karin Hollweg Preis ist einer der bedeutendsten und höchstdotierte Kunstförderpreis aller Kunsthochschulen in Deutschland. Der Preis ist mit 15.000 Euro ausgewiesen, wobei eine Hälfte als Preisgeld direkt an die Preisträgerin oder den Preisträger geht, die zweite Hälfte ist für die Realisierung einer Einzelausstellung reserviert. Geplant ist eine Ausstellung im Gerhard Marcks Haus. Zu sehen ist derzeit die Arbeit der Preisträgerin im Rahmen der Ausstel- lung »Heal the World. Meisterschülerinnen und Meisterschüler der Hochschule für Künste Bremen« (bis 25.09.2016) in der Weserburg | Museum für moderne Kunst. Mit ihrer Arbeit »Seitengang: 2 angepasste Wände, spiegelnd und lautlos« (2016) hat Piepenbrock die Jury überzeugt. Aus stahlge- rahmten Schaumstoffelementen hat sie einen schmalen, fünf Meter langen Ganggeschaffen, der durchschritten werden kann. Die Herkunft des Schaumstoffes als Innenleben von gebrauchten Matratzen bleibt sichtbar, ohne dass dieser Aspekt hier in narrativer Weise eingesetzt wird. Er ist anhand von Lattenrostabdrücken und ähnlichen Markierungen erkennbar, doch die Künstlerin hat alle weiteren Spuren vorhergehender Nutzung eliminiert. Sehr überzeugend fand die Jury, »wie bewusst die Künstlerin ihre Arbeit auf den bestehenden Ausstellungsraum bezogen und sie dort regelrecht eingepasst hat. Sie verleiht dem Raum und der Position ihres Werks innerhalb der Ausstellung Dynamik, indem sie die beiden Wände in einer Kurve auslaufen lässt, welche in einer Raumecke der Weserburg endet. In der vielschichtigen plastischen Arbeit von Claudia Piepenbrock sieht die Jury den überzeugenden Ausdruck einer konse- quenten künstlerischen Entwicklung, die bereits in früheren Werken hinsichtlich plastischer Setzung, sinnlicher Materia- lität und Körperlichkeit deutlich geworden ist und die hier nicht nur eine besonders präzise Umsetzung erfährt,sondern sich in beeindruckender Weise körperlich erfahren lässt.«

Info: www.weserburg.de

Katharina Grosse im Museum Frieder Burda

Mit der Malerei von Katharina Grosse setzt das Museum Frieder Burda die Reihe seiner monographischen Aus- stellungen bedeutender, internationaler Künstler fort. In ihrer Malerei überwindet, sprengt und überhöht sie jedwede Oberfläche und macht sie zu ihrem Malgrund. In der großen Sommerausstellung im Museum Frieder Burda konzentriert sich Katharina Grosse auf Tafelbilder, also auf die eher klassische Form der Malfläche, dehnt diese aber bisweilen in Dimension und Format zu ungesehener Größe. Durch gliedernde Strukturen wie parallele Linien und Schraffuren, aber auch durch gesprüht aufgetragene Farben scheinen sich ihre Malflächen in unterschiedlicher Weise zu entfalten: mal konkreter verdichtet, mal verschwimmend unscharf. Der Kontext ihrer Malerei mit der Architektur von Richard Meier steigert den Kontrast zwischen Rationalismus und Utopie. Die Grenzen des Raumes, hier des »White Cube«, werden aufgehoben zugunsten eines Dialogs der Farbgestalten, der sich nicht nur in den einzelnen Gemälden, sondern gerade auch zwischen den unterschiedlichen Bildern entwickelt. Katharina Grosse spannt in dieser Ausstellung den Bogen vom Beginn ihrer Karriere als Malerin Anfang der 90er Jahre bis zum heutigen Tag. Die Ausstellung wird von einem Katalog begleitet. Bis 9. Oktober 2016. Info: Museum Frieder Burda, Lichtentaler Allee 8b, 76530 Baden-Baden, Fon 07221/39898-33,Fax 07221/398987-30.

www.museum-frieder-burda.de

Philipp Demandt Direktor des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung in Frankfurt.
Philipp Demandt tritt am 1. Oktober 2016 in Frankfurt die Nachfolge von Max Hollein an, der zum 1. Juni 2016 als neuer Direktor an die Fine Arts Museums of San Francisco (FAMSF) gewechselt ist. Der 1971 in Konstanz geborene Demandt studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Publizistik und promovierte 2001 am Institut für Geschichts- und Kulturwissenschaften der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit zur Entstehungs- und Wirkungsge- schichte der Königin-Luise-Porträts von Johann Gottfried Schadow und Christian Daniel Rauch sowie zur historischen Mythologie des preußischen Staates im Spiegel des »Luisen- kults«. Nach einer Ausstellungsassistenz im Bröhan-Museum 2002 wurde Demandt 2004 Dezernent bei der Kulturstiftung der Länder. Von 2007 bis 2010 war er zudem Mitkurator der Ausstellung »Luise. Leben und Mythos der Königin« der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Branden- burg. Darüber hinaus konzipierte und leitete er die von der Kulturstiftung der Länder herausgegebene Zeitschrift »Arsprototo« sowie deren wissenschaftliche Publika- tionsreihe »Patrimonia« und veröffentlichte zahlreiche Artikel zur Kunst- und Kulturgeschichte, unter anderem in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Süddeutschen Zeitung und der Welt. Im Januar 2012 wurde Demandt zum Leiter der Alten Nationalgalerie in Berlin ernannt. Zu den Höhepunkten unter seiner Leitung zählten die Ausstellungen »Rembrandt Bugatti«, »Impressionismus/Expressionismus. Kunstwende« oder zuletzt »Der Mönch ist zurück«, eine Sonderpräsentation zur Restaurierung von Caspar David Friedrichs Meisterwerken Mönch am Meer und Abtei im Eichwald.