Das »VG-Stipendium 2017« geht an Annika Kahrs.

Das Stipendium, mit dem die Schweizer Vordemberge-Gildewart-Stiftung an den Künstler Friedrich Vordemberge-Gildewart (1899 bis 1962) erinnert, ist mit dem Preisgeld von 60.000 Schweizer Franken (etwa 56.000 Euro) eine der höchstdotierten Auszeichnungen für europäische Nachwuchsförderung. Annika Kahrs studierte von 2005 bis 2012 an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Harun Farocki und an der Freien Akademie der Künste in Hamburg. Sie wurde bereits mit verschiedenen Preisen und Stipendien ausgezeichnet, u. a. mit dem Aufenthaltsstipendium der Cité Internationale des Arts, Paris (2015/16), dem Bremerhaven-Stipendium (2014) und dem George Maciunas Förderpreis (2012). Nominiert waren zwölf Künstlerinnen und Künstler unter 35 Jahren, die alle einen regionalen Bezug zu Norddeutschland habern und überwiegend Absolventen der Kunsthochschulen in Braunschweig, Bremen und Hamburg sind. Dieses Jahr ist die Kestnergesellschaft in Hannover einmaliger Austragungsort der Preisvergabe und der damit verbundenen Gruppenausstellung »VG Stipendium 2017«, die bis zum 7. Mai 2017 zu sehen ist. Die Jury betont: »Annika Kahrs zeigt in der Stipendiumsausstellung die Videoarbeit ‚Sea-Pool‘ von 2016 sowie drei Zeichnungen, die in Kooperation mit Seeleuten entstanden sind. Die Seefahrer, die sie im Seemannsclub in Bremerhaven getroffen hat, schildern anhand der skizzenhaften Zeichnungen ihre privaten Wohnsituationen. Dabei geht es um Erinnerungen, Emotionen und um Wunschträume, die mit der fernen Heimat verbunden... Die Videoarbeit ist ebenfalls in der Welt der Schifffahrt verortet. Drehort ist die Weser-Fähre, die Dauer des Films entspricht der Fahrzeit zum anderen Flussufer. Im Fokus steht ein Billardtisch, den die Künstlerin formal – in der Komposition fast malerisch – austariert.... Die auf dem Tisch ausgelegten Kugeln beginnen sich langsam in verschiedene Richtungen zu bewegen, unvermittelt durchquert ein Auto oder dann der Schaffner das Bildfeld. Die Kugeln bewegen sich wie von Geisterhand, die Spieler fehlen. Dadurch lotet Annika Kahrs die Qualitäten der filmischen Möglichkeiten aus...« (Im artist Heft Nr. 105 hat Annika Kahrs die artist page gestaltet.)

24. Videokunst Förderpreis Bremen



Seit 1992 setzt der Preis, vergeben vom Filmbüro Bremen, konsequent auf junge, avancierte Positionen. Prämiert werden keine bereits existierenden Arbeiten, sondern Konzepte, die mit Hilfe des Preisgeldes realisiert werden und in Bremen ihre Premiere feiern. Bis zum 21. Mai 2017 präsentiert die Weserburg | Museum für moderne Kunst in diesem Jahr die Preisträger. Neben den beiden neuen, erstmals öffentlich zu sehenden Videoprojektionen erweitern die Künstler die Ausstellung um mehrere Arbeiten aus unterschiedlichen Phasen ihres Schaffens. Eine dreiköpfige  Jury (Fieder Nake, Ulrike Pfeiffer, Ivo Wessel) hat entschieden. Der erste Preis, dotiert mit 5.000 Euro, geht an den Franko-Kanadier Kenji Ouellet aus Berlin für sein Werk »In Dog Years I‘m Dead«. Die Jurybegründung: »Kenji Ouellet nimmt sich für sein geplantes Video-Werk die gar nicht nur feine Welt des Balletts vor. Höchster Leistungsdruck, große Anforderungen an die Erscheinung der Körper der Tanzenden, Unterwerfung unter hierarchische Strukturen sind Komponenten dieser Welt begeisternder Werke, an die wir gewöhnlich nicht denken, wenn wir Ballett- oder Tanz-Aufführungen sehen. Er folgt der Spur einer jungen Tänzerin in den Übungssaal. Sie drückt dabei ihre Gedanken in Form berühmter Aussagen von Tanzexperten und Philosophen aus. Dadurch entsteht eine hohe Spannung zwischen an die Grenzen gehender körperlicher Anstrengung und Höhenflügen des Geistes, die die Gedanken der Zuschauenden auf überraschende Weise anregen können... « Der zweite Preis, dotiert mit 1.500 Euro, geht an Hassan Sheidaei und Farzia Fallah für ihr Projekt »Das Vergessen«. »Sie greifen das verstörende Ersticken einer Gruppe von Flüchtlingen im LKW auf österreichischen Straßen auf, das uns vor nicht langer Zeit erschrecken ließ... Künstlerisch werden das Sehen und Hören gleichermaßen in ihren beiden Ebenen polyphonisch in Spannung versetzt. Feine Geräusche des Ein- und Ausatmens als Erinnerung an das Ersticken versiegen langsam und lassen uns in tiefem Nachdenken zurück. Vielleicht nachdenklicher als bei den TV-Nachrichten. Das Werk besitzt eine politische Dimension, ohne diese direkt anzusprechen«, so die Jury.  Info: www.weserburg.de, http://www.filmbuero-bremen.de/home/

40. Bremer Förderpreis für Bildende Kunst 2016 geht an Nora Olearius.


Seit 1977 wird jährlich eine Position junger Bremer Kunst ausgezeichnet. Damit gehört er zu den ältesten kontinuierlich vergebenen Kunstpreisen Deutschlands. Er ist mit einem Preisgeld von 6.000,- €, einer Einzelkatalogförderung von 3.000,- € sowie einer Einzelausstellung dotiert. Die Preisträgerin bzw. der Preisträger wird in einem zweistufigen Verfahren bestimmt. Auf die Bewerbung, an der sich KünstlerInnen mit einem abgeschlossenen Studium aus Bremen und der Region bis zum vierzigsten Lebensjahr beteiligen können, wählt eine regionale Vorschlagskommission die TeilnehmerInnen der Ausstellung aus. Aus dieser Ausstellung heraus bestimmt anschließend eine überregionale Jury die Preisträgerin/den Preisträger. Im 40. Jubiläumsjahr hat die Vorschlagskommission aus 37 Bewerbungen 12 KünstlerInnen für die Ausstellung ausgewählt: Anna Bart, Daniel Behrendt, Amina Brotz, Christiane Gruber, Tobias Heine, Emese Kazár, Effrosyni Kontogeorgou, Nora Olearius, Pio Rahner, Max Santo, Malte Stiehl und Linhan Yu. Die Ausstellung ist noch bis zum 23. April 2017 in der Städtischen Galerie Bremen zu sehen. Die Hauptjury  (Thomas Niemeyer, Olaf Peters, Pia Stadtbäumer, Ute Stuffer, Wolfgang Zeigerer) hat den Förderpreis für Bildende Kunst Nora Olearius für ihre Arbeit »Frappé« zuerkannt. »Nora Olearius überzeugte die Jury mit einem Werk, das ebenso intelligent wie poetisch tief in die Wahrnehmung jener Ausstellung eingreift, deren Teil es ist. Auf einer Reihe einfacher Papierbögen, welche direkt auf eine Ausstellungswand geklebt wurden, entwickelt die Künstlerin schreibend und zeichnend eine umfangreiche Kalkulation der Volumina der Ausstellungsräume sowie der darin gezeigten Kunstwerke. Mit Hilfe von Messungen und Skizzen  zu allen dreidimensionalen Elementen, die in den Räumen enthalten sind, kommt sie am Ende zu einer präzisen Aussage, in welchem Volumenverhältnis Räume und Werke der Ausstellung insgesamt zueinander stehen... Der Titel »Frappé« bezieht sich auf eine bekannte optische Täuschung, bei der die Teilung der Füllmenge in konischen Gläsern falsch eingeschätzt wird. Im übertragenen Sinne werden damit auch die Erwartungen angesprochen, mit denen das Publikum an die Präsentation von Kunst herantritt - Erwartungen, die gerade in Bezug auf zeitgenössische Kunst oft genug Irritationen hervorrufen«, so die Jurybegründung.