Interview

Textauszug

Jürgen Becker
Oldenburg, Hamburg, New York und wieder Hamburg sind zentrale Stationen ihrer Biographie. In den 80er Jahren organisierten Sie für den Oldenburger Kunstverein Ausstellungen, waren dann als Banker in Hamburg tätig, gingen anschließend nach New York. Nach zweijährigem Zwischenspiel als Kunsthändler in der Weltmetropole zog es Sie zurück nach Hamburg. Dort eröffneten Sie 1989 in der Admiralitätsstraße eine Galerie. Gibt es Ereignisse oder gar Schlüsselerlebnisse, die Ihre Entscheidungen nachhaltig beeinflußt haben? Wie hat sich Ihr Kunstinteresse entwickelt?

Zum Beispiel Neugierde und Einflüsse von außen. Bei mir kommt ein frustrierendes Jurastudium in Bonn hinzu, da war Kompensation vonnöten. Ende der 60er Jahre lernte ich in Bonn Erhard Klein kennen, er war für mich außerordentlich wichtig und hat mir ein regelrechtes Kunstinteresse mit einer sich daraus ergebenden Sammelleidenschaft entfacht. Erhard Klein ist ein hervorragender Galerist, ich habe ihm viel zu verdanken. Klein hat mich mit der bildeneden Kunst infiziert, eigentlich waren es ja seine Künstler. Häufig haben mich zunächst die Künstlerpersönlichkeiten faszieniert und nicht zuallererst die Arbeiten. Ich stamme aus bürgerlich geordneten Verhältnissen und dann in die Künstlerriege vorzudringen, die sich bei Erhard Klein versammelte, das war abenteuerlich. Ich wurde neugierig, da wurde gekifft oder der Polke trug Schlangenlederhosen. Ich habe mich gefragt, wie verstehen diese Künstler die Zeit, in der ich lebe?...

Joachim Kreibohm