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artist-kunstmagazin Ausgabe Nr.58
 

Heft 58

 
Portraits Corinna Schnitt
Katja Strunz
Markus Huemer
Yayoi Kusama
Zilla Leutenegger
 
Interview Ute Meta Bauer
 
Page Achim Bertenburg
Korpys / Löffler
 
Polemik   Hans-Jürgen Hafner
 
Ausstellung »Adorno«
 
Künstlerbeilage Brigitte Waldach
 
Edition Axel Lieber

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Corinna Schnitt


Textauszug

Eine junge Frau sitzt am Tisch und blickt völlig ausdruckslos in die Kamera. Die Wanduhr über ihr läuft wie in einem alten Stummfilm ruckartig weiter. Ähnlich bewegt sich die Frau im Video. Ihr fallen immer wieder die Augen zu, dann und wann kippt der Kopf ab, sinkt auf die Arme; sie schläft ein, reißt ihn aber nach wenigen Umdrehungen des Zeigers an der Wand ruckartig hoch, um weiter im somnambulen Zustand das Vergehen der Zeit auszusitzen. Sich selbst als Testperson hat Corinna Schnitt in ihrem frühen Video »27.1.1992« eingesetzt, das zu den strukturalistischen und experimentellen Arbeiten der Kölner Videokünstlerin gehört. Weil sie wie beim Aktmodellstehen »einfach mal einen Tag lang intensiv die Zeit wahrnehmen wollte«, produzierte die Meisterschülerin der US-Künstlerin Nan Hoover diesen mit Einzelbild-Schaltung aufgenommenen Super-8- Film. Errhythmisiert in der witzig wirkenden Zeit-Raffung den natürlichen Ablauf eines Tages. Und das Experiment wird zu einer chaplinesken Situation, weil der Hauptfigur allzu Menschliches passiert, wenn sie während ihres Auftritts vor der statischen Kamera immer wieder einnickt, so quasi schlapp macht. Der Humor, mit der die 39jährige Künstlerin diese an sich unspekta- kuläre Situation inszeniert, sollte den Ton ihrer Videoarbeiten bestimmen.


Uta M. Reindl
 
Das nächste Mal, 2003, Filmstill/Foto, 100x130 cm, Courtesy Galerie Olaf Stüber, Berlin
Das nächste Mal, 2003, Filmstill/Foto, 100x130 cm, Courtesy Galerie Olaf Stüber, Berlin